Der 3. Spieltag der National Football League startete verhalten, hatte schlussendlich doch einiges zu bieten: QB Mitchell Trubisky von den Chicago Bears wurde gebenched. Bei den Browns zeigt WR Odell Beckham neuerdings Stärken  in der Pass-Coverage, RB Kareem Hunt übernimmt dafür seine One-Hand-Catches. Eagles QB Carson Wentz wird immer mehr zu Dr. Jekyll and Mr. Hyde. Dan Quinn (HC Atlanta Falcons) und Adam Gase (HC New York Jets) stehen bei 0-3 und haben es sich mittlerweile am Schleudersitz gemütlich gemacht. Doch alles schön der Reihe nach:

Die Buffalo Bills kommen nochmals mit einem blauen Auge davon. Die LA Rams waren kurz davor für ein großes Comeback zu sorgen. Eine 28-3 Führung der Bills verwandelte die Truppe von HC Sean McVay kurz vor Schluss in ein 32-28. Next Gen Stats berechnete einen Sieg der Rams mit nur noch einem Prozent. Es roch alles nach einem Déjà-vu. Stimmt, da war doch etwas: Die Fans der Dallas Cowboys erinnern sich liebend gerne an die große Comeback-Story gegen die Falcons am zweiten Spieltag zurück. Doch eine unnötige Pass Interference der Rams machte die Hoffnungen zu Nichte. Der groß aufspielende QB Josh Allen (4 TD, 1 INT, 311 Yards) sorgte mit einem kurzen Zuspiel auf TE Tyler Kroft wenige Sekunden vor Schluss für das finale K.O. (35:32). Die Bills stehen damit bei 3-0. Die Rams bei 2-1. Zwei Teams, die aufgrund ihrer Leistungen voll auf Playoff-Kurs liegen.

Apropos blaues Auge: Die Cincinnati Bengals und die Philadelphia Eagles sorgten für das erste Unentschieden in der laufenden Saison (23:23). QB Carson Wentz rettet seine Eagles kurz vor Schluss in die Overtime, hält in dieser Saison aber bereits bei 6 Interceptions. Andererseits ist Wentz der schnellste Quarterback, der für die Eagles 100 Passing Touchdowns erzielen konnte. Noch vertraut HC Doug Pederson auf seinen Signal-Caller. Die Turnovers muss der 27-jährige rasch abstellen. Mit Jalen Hurts steht ein vielversprechender Rookie bereit. Bei den Cincinnati Bengals hat eine andere Zukunftshoffnung das Kommando bereits übernommen: Joe Burrow blieb ohne Turnover und zeigte einmal mehr sein Talent. Die vielversprechende Verbindung mit WR Tyler Boyd sowie seinem Rookie WR Tee Higgins (2 TD) war augenscheinlich. Bleibt nur zu hoffen, dass Burrow ein Schicksal like Andrew Luck, dem ehemaligen Quarterback der Colts, erspart bleibt. Die O-Line der Bengals lies einige Hits sowie 7 Sacks zu.

Family Business bei den Pittsburgh Steelers gegen die Houston Texans. Die Watt-Brüder J.J. (Texans), T.J. und Derek (beide Steelers) sind seit 1927 das erst zweite Geschwister-Trio, das bei einem NFL-Spiel auf dem Feld stand (Letzte Saison gelang dieses Kunststück Trey, Terrell und Tremaine Edmunds beim Spiel der Buffalo Bills in Pittsburgh). Dem Triumph der Steelers (28-11) über die Texans konnte allerdings keiner der drei so richtig den Stempel aufdrücken. Steelers-FB Derek musste das Spiel ohne Touch vorzeitig mit einer Hamstring-Verletzung beenden. Texans-DE J.J. brachte es auf 4 Total Tackles, Steelers-LB T.J. ebenso, zusätzlich ein Sack. Abgesehen von der Familien-Story der Watts war das Spiel von einigen Führungswechseln geprägt, bei dem die Steelers sieben Minuten vor Schluss den entscheidenden Touchdown erzielten. Top-Performer auf Seiten der Steelers war RB James Connor mit 108 Rushing Yards und einem TD sowie 4 Catches für weitere 40 Yards. Das Team aus Pittsburgh steht mit 3-0 vorerst an der Spitze der AFC North (die Ravens spielen im Monday Night Game gegen die Kansas City Chiefs). Die Houston Texans sind, etwas überraschend, mit 0-3 Schlusslicht in der AFC South. Familie Watt hingegen ist um ein weiteres Familienfoto reicher.

Kaum zu glauben aber wahr: Die Atlanta Falcons haben es wieder getan. Bei der Niederlage gegen die Chicago Bears (26:30) verspielte das Team von HC Dan Quinn einen 26-10 Lead und wohl jeden Credit bei den Fans. WR-Superstar Julio Jones und CB A. J. Terrell, der erste NFL Spieler auf der COVID-19 Liste, fielen bereits vor dem Spiel aus. Für die Akzente in der Offense sorgte der talentierte Mr. Ridley: Der WR der Falcons setze seinen Lauf fort und erzielte mit 5 Receptions ganze 110 Yards. Für die Touchdowns zeichneten RB Todd Gurley, RB Brian Hill und TE Hayden Hurst verantwortlich. Dennoch zu wenig. Der Head Coach der Bears, Matt Nagy, hatte nach zwei Viertel von seinem QB Mitch Trubisky genug gesehen und brachte Nick Foles (188 Yards, 3 TD, 1 INT) ins Spiel. Eine Entscheidung, die kurzfristig zum Erfolg führte und wohl auch nachhaltig standhält. Die Falcons und allen voran HC Dan Quinn stehen nun bei 0:3 und sind nach der nächsten völlig unnötigen Niederlage schwer angeschlagen.

Die New York Jets bleiben ihrer Linie treu. Auch bei der deutlichen Niederlage gegen die Indianapolis Colts (36-7) im Lucas Oil Stadium schaffte es das Team von Head Coach Adam Gase nicht, in Führung zu gehen. Damit ist die „Gang Green” in dieser Saison das einzige NFL Team, dem dieses Gefühl weiterhin verwehrt bleibt. Gut zu wissen: Colts-QB Philip Rivers schloss sich gestern einem elitären Kreis an. Mit seinem Pass in die Endzone zu TE Mo-Allie Cox ist er nach Drew Brees, Peyton Manning, Tom Brady, Brett Favre und Dan Marino der sechste Quarterback der NFL-Geschichte, der in seiner Karriere 400 Touchdowns wirft. Mehr brauchte es beim 36-7 Erfolg der Indianapolis Colts gegen die New York Jets am Ende auch nicht. Die Jets zeigen gleich zu Beginn, warum sie die Jets sind. Pick-Six durch Colts-CB Xavier Rhodes nach zweieinhalb Minuten, der das Ei 44 Yards in die Endzone trägt.

Die Jets-Offense kann zwar mit einem Touchdown durch WR Braxton Berrios ausgleichen, bleibt sonst den restlichen Abend aber ruhig. Zu stark ist die Defense der Colts, die für zwei weitere Interceptions (inklusive weiterem Pick-Six) und ein Safety sorgten. Für den zweiten Touchdown der Colts-Offense sorgt Rookie Running Back Jonathan Taylor. Die Colts schieben sich mit dem Sieg auf den zweiten Platz in der AFC South. Die New York Jets stehen mit nur 37 erzielten Punkten in 3 Spielen (die wenigsten in der NFL) zu Recht mit 0-3 am Tabellenende der AFC East.

Der QB der Seattle Seahawks liegt weiter voll auf MVP-Kurs und führt die „Hawks” zum 38-31 Sieg gegen die Dallas Cowboys. Russell Wilson wirft dabei die zweite Woche in Serie 5 Touchdown-Pässe (3 zu Tyler Lockett, je einen zu DK Metcalf und Jacob Hollister). Wilson steht damit nach 3 Runden bei 14 Touchdowns und bricht damit den Rekord von Patrick Mahomes aus dem Jahr 2018 (13 TDs). Er ist außerdem der erste Spieler in der Geschichte der NFL, der an den ersten drei Spieltagen jeweils mehr als 4 Touchdowns pro Spiel wirft. Die Seahawks stehen nach einem gelungenen Saisonbeginn souverän bei 3-0. Die Dallas Cowboys müssen hingegen trotz 31 Punkten die zweite Saisonniederlage hinnehmen. 522 Total Yards in der Offense (QB Dak Prescott mit 472 Passing Yards und 3 Touchdowns) haben – dank 3 Turnover – nicht gereicht, um in Seattle als Sieger vom Platz zu gehen.

Die Tampa Bay Buccaneers bleiben ihrer Favoritenrolle gerecht und besiegten die stark ersatzgeschwächten Denver Broncos in ihrem Miles High Stadium mit 28-10. Für das Team von Bruce Arians war es der erste Triumph seit dem Jahr 1999. WR Mike Evans verkörperte bei den Bucs die pure Effizienz: 2 Catches, 2 Yards, 2 Touchdowns. Tom Brady steuerte 25 Pässe für 297 Yard (3 Touchdowns) bei.

Für eine große Überraschung an Spieltag 3 sorgten die Detroit Lions. Auswärts gegen die Arizona Cardinals entschied ein 39 Yard Game-Winning-Fieldgoal von Matt Prater die Begegnung. Für Kyler Murray war es ein durchwachsenes Spiel mit 2 Touchdowns und 3 Interceptions. Seine Klasse unter Beweis gestellt hat einmal mehr DeAndre Hopkins mit gleich 10 Receptions für 137 Yards.

Die Tennessee Titans besiegten mit der Dampfwalze RB Derrick Henry (119 Yards, 2 TD) auswärts die Minnesota Vikings in einer knappen Begegnung mit 31:30. Die Vikinger starten damit 0-3 in die Saison und haben nach solch einem katastrophalen Saisonstart noch nie die Playoffs erreicht. Positiv stimmen die Leistungen von RB Dalvin Cook der unglaubliche 181 Yards abspulte (Plus 2 TD) sowie Rookie WR Justin Jefferson. Mit seinen 104 Yards in Hälfte eins bricht der First-Rounder (Pick 22) den Rekord von niemand geringerem als Randy Moss aus dem Jahr 1998.

Das Washington Football Team unterlag den Cleveland Browns mit 34-20. Die frühzeitige Verletzung von DE Chase Young kann rückblickend als spielentscheidend gewertet werden. Auch die Turnover der Browns – Washington QB Dwayne Haskins mit zwei Interceptions. Was auffällt: Das RB Duo der Browns entwickelt sich immer mehr zum gefährlichsten Tandem der Liga. Nick Chubb mit seinen Power Runs (19 Versuche für 108 Yards und 2 TD) und Kareem Hunt als Hybrid Option (1 Receiving TD) waren für die Defense des Washington Football Teams nicht zu kontrollieren. WR Odell Beckham verbuchte 4 Receptions für 59 Yards und zeigt neuerdings in der Passverteidigung seine Stärken:

Die weiteren Begegnungen:

  • Las Vegas Raiders vs. New England Patriots (20:36)
  • San Francisco 49ers vs. New York Giants (36:9)
  • Green Bay Packers vs. New Orleans Saints (37:30)