Lassen wir uns alle nicht täuschen. Die „COVID-19″ Thematik verschont auch ein Milliarden US-Dollar schweres Business wie die National Football League nicht. Trotz strikter Protokolle und Maßnahmenpakete ist das Virus am 4. Spieltag in die NFL eingezogen (Daily Huddle berichtete). Neben einigen Spielverschiebungen ist Cam Newton, Quarterback der New England Patriots, die heute (5.10.) auf die Kansas City Chiefs treffen, der prominenteste Spieler auf der Covid-Liste. Es dürften weitere folgen. Doch wie geht es weiter? Steht ein Abbruch bevor? Nicht laut NFL Commissioner Roger Goodell: „Die Entwicklung ist nicht unerwartet, es werden höchstwahrscheinlich noch mehr Spieler positiv getestet. Wir sind darauf vorbereitet.”

Es geht vorerst weiter. Mit American Football auf höchstem Niveau, wie die Sonntags-Spiele der 4. Runde eindrucksvoll zeigten. Wie schon das Thursday Night Game hatten vor allem die 19:00 Uhr Partien einige spannende High Scoring Games zu bieten. Wir haben uns fünf Themen herausgesucht, die jeder NFL-Fan über den 4. Spieltag wissen muss:

1) Ungedrafted liegt im Trend
Viermal fanden Spieler der Los Angeles Chargers gegen die Tampa Bay Buccaneers den Weg in die Endzone. Das Besondere dabei: Alle vier Scores der Chargers wurden von ungedrafteten Spielern erzielt. Rookie-QB Justin Herbert verhalf Jalen Guyton, Tyron Johnson und Donals Parham zu einem Touchdown. CB Michael Davis fing einen Pass von Tom Brady ab und trug ihn 78 Yards zum Chargers-Score.

Herbert, 6th Overall Pick im 2020 Draft, zeigte im dritten Spiel hintereinander eine vielversprechende Leistung. Abgesehen von der Interception kurz vor Ende des Spiels war sein Passspiel nahezu perfekt. Er ist nach Cam Newton der erst zweite Quarterback, der in seinen ersten drei Starts über 900 Yards werfen konnte. Die 290 Yards und 3 Touchdowns waren trotzdem zu wenig, um die Partie gegen die Buccanneers zu gewinnen. Das Grinsen konnte sich Altmeister Tom Brady, der um stolze 21 Jahre älter ist als sein QB-Gegenüber, nicht verkneifen. Brady warf für 369 Yards und 5 Touchdowns. Der 43-Jährige stellte damit einen neuen NFL-Rekord auf. Er ist der älteste Spieler, der zwei Spiele hintereinander drei oder mehr Touchdowns erzielen konnte. Endstand in einer höchst spannenden Partie: 38-31 für die Buccaneers.

2) Brees ist nicht Brees ohne seinen WR1
Wir sagen es frei hinaus: Drew Brees ist nicht Drew Brees, wenn Michael Thomas nicht spielt. Seine 473 Receptions und 5.529 Yards sind für die New Orleans langfristig nicht zu kompensieren. Seitdem Thomas 2016 von der Ohio State in die NFL übersiedelte, hat er nur drei Spiele verpasst. Alle drei Begegnungen gingen verloren. Zu Beginn gegen die Detroit Lions sah vieles danach aus, dass Brees’ Record ohne der Anspielstation Thomas auf 0-4 wächst. 14-0 für die Lions nach nur viereinhalb gespielten Minuten, Interception von Brees inklusive. Die Freude währte nicht lange. 35 unanswered Points später waren die Saints durch je zwei Touchdowns von RB Latavius Murray und WR Tre’Quan sowie einem Score von RB Alvin Kamara Mitte des dritten Viertels deutlich in Führung.

Die Lions fanden danach noch zwei Mal den Weg in die Endzone (TE Hockenson und RB-Oldie Peterson). Am Ende war es zu wenig, um den Saints gefährlich zu werden. Endstand 35-29. Die Lions sind damit unter Head Coach Matt Patricia mit 1-3 auf dem letzten Platz in der NFC North. Schon wieder. Das Team aus New Orleans dagegen steht bei 2-2 in der NFC South. Drew Brees wird sich trotz des Sieges freuen, wenn er seinen Star-WR ab kommender Woche wieder im Lineup hat.

3) In der „NFC Least” liegen Nerven blank
Die NFC East wird ihrem wenig schmeichelhaften Spitznamen „NFC Least” wieder eindrucksvoll gerecht. Alle vier Teams der Division kommen zusammen auf bescheidene drei Siege nach vier Spieltagen. Keines der Teams hat eine Win-Bilanz. Während die Dallas Cowboys im spektakulärsten Spiel der Runde (Daily Huddle berichtete) gegen die Cleveland Browns unterlagen, ging das Washington Football Team gegen die Baltimore Ravens mit 17-31 unter. Dwayne Haskins Passing Stats waren in dieser Woche zwar nicht ganz so mies wie in den Wochen zuvor. Um den Ravens gefährlich zu werden reichte es jedoch nicht. Dem Team von Lamar Jackson genügte eine weitgehend unspektakuläre Leistung, um den dritten Saisonsieg einzufahren. Jackson selbst konnte für ein persönliches Highlight sorgen und erlief den längsten Rush seiner Karriere (50 Yards).
Die New York Giants unterliegen in einer unspektakulären Partie bei den Los Angeles Rams mit 9-17. Einmal mehr enttäuscht Quarterback Daniel Jones, der gegen die Rams fünfmal gesacked wird, auf ganzer Linie. Seine Bilanz nach 4 Spielen: 2 Touchdowns, 7 Turnover (5 Interceptions, 2 Lost Fumbles). Nichts zu sehen von den Lichtblicken aus seiner Rookie-Saison. Alle 9 Punkte der Giants kommen von Kicker Graham Gano. Und weil das Spiel selbst nicht unrühmlich genug war, endet die Partie mit einer handfesten Auseinandersetzung nach Abpfiff. Provoziert von Rams-CB Jalen Ramsey und Giants-WR Golden Tate, die ihr privates Family Business mit auf das Spielfeld nahmen.

Der einzige Sieg gelang im Sunday Night Game überraschend den Philadelphia Eagles bei den San Francisco 49ers. Da half auch die grandiose Performance von Georg Kittle wenig. Der wieder genesene Tight End der 49ers verbuchte 15 Receptions für 183 Yards und einen Touchdown. Die Eagles führen damit die Division mit einem halben Sieg Vorsprung auf die Dallas Cowboys an. In der ligaweiten Tabelle stehen die Eagles, Cowboys, das Washington Football Team und die Giants auf den Rängen 20, 21, 28 und 31. Am kommenden Spieltag sollte zumindest ein weiterer Sieg dazukommen, wenn die Cowboys im Division-internen Duell auf die Giants treffen.

4) Houston, wir haben ein Problem
Die Ausgangslage vor dem Spiel der Minnesota Vikings bei den Houston Texans war klar: Beide Teams standen bei 0-3, verlieren verboten! Klar war auch, wie das Spiel entschieden wird. Am Boden. Die schlechteste Run-Defense der Liga (Texans) gegen den drittbesten Running Back (Dalvin Cook). So kam es dann am Ende auch. Cook war mit 130 Rushing Yards und 2 Touchdowns der Matchwinner beim 31-23 Sieg der Vikings.

Sein Backup Alexander Mattison lief das Leder ebenfalls einmal in die Endzone. Insgesamt 162 Rushing Yards für die Vikings, dazu 260 Passing Yards von QB Kirk Cousins inklusive Touchdown zu WR Adam Thielen. Auf der Gegenseite zeigte QB Deshaun Watson mit 300 Yards für 2 Touchdowns eine ansprechende Leistung. Der war jedoch zu spät im Spiel „on fire”, die Texans-Offense generell nicht wirklich funktionierend. Head Coach Bill O’Brien wird sich nach dem 0-4 Start wohl einmal mehr anhören müssen, warum er mit DeAndre Hopkins seinen besten Offensive-Spieler in der Off-Season nach Arizona verscherbelt hat.

5) Fütterungszeit bei den Bengals
Allzu viele Siege haben die Cincinnati Bengals in den vergangenen Jahren nicht feiern können. Wenn doch, war meistens ein Mann dafür verantwortlich: RB Joe Mixon. Erzielt er mehr als einen Touchdown im Spiel, gewinnen die Bengals. So auch diesmal beim 33-25 Erfolg gegen die Jacksonville Jaguars. Mixon konnte 2020 in keinem der ersten drei Spiele mehr als 69 Yards erlaufen und ging ohne Touchdown in die Begegnung mit den Jags. Am Ende des vierten Spieltags standen 151 Rushing Yards, 30 Receiving Yards und insgesamt 3 Touchdowns auf seinem Stat Sheet.

Gut genug, um die Bengals gemeinsam mit dem 1st Overall Pick Joe Burrow zum ersten Saisonsieg zu führen. Burrow ließ mit 300 Passing Yards erneut sein Talent aufblitzen. Er ist seit Sonntag außerdem der erste Rookie in der NFL-Geschichte, der in drei aufeinanderfolgenden Spielen zumindest 300 Passing Yards werfen konnte. Auf Seiten der Jaguars fand QB Gardner Minshew seinen WR D.J. Chark zweimal in der Endzone. Ab dem dritten Viertel konnten die Bengals die Jags jedoch stets auf Distanz halten. Fun Fact zum Team aus Jacksonville: Aldrick Rosas war verletzungsbedingt in den letzten drei Spielen der bereits vierte Kicker, der bei den Jaguars zum Einsatz kam.

Die weiteren Begegnungen:

Carolina Panthers vs. Arizona Cardinals (31-21)
Miami Dolphins vs. Seattle Seahawks (23-31)
Las Vegas Raiders vs. Buffalo Bills (23-30)
Chicago Bears vs. Indianapolis Colts (11-19)