Vor dem Start der 101. NFL Saison lag ein Hauch von Ungewissheit in der Luft. Eine Saison ohne Fans. Ohne Pre-Games. So viel gleich vorweg: Der erste Spieltag (Anm.: die Monday Night Games Broncos vs. Titans und Giants vs. Steelers folgen) war gespickt mit hochkarätigen Begegnungen und der einen oder anderen Überraschung. Wie der Sieg der Arizona Cardinals über die San Francisco 49ers (24:20) oder der mäßigen Vorstellung der Indianapolis Colts bei den Jacksonville Jaguars (20:27). Es war einiges los. Trotz fehlender Geräuschkulisse in den Stadien wurde ein Feuerwerk abgezündet. Direkt am Feld, von den Hawks, Packers oder Saints. Letzteres dürfte dem neuen Quarterback der Buccaneers, Tom Brady, weniger gefallen.

System Brady mit Optimierungspotenzial 
An diesen Anblick muss man sich erst gewöhnen. Tom Brady im Dress der Buccaneers. The „G.O.A.T.“ stand zum Auftakt gegen die New Orleans Saints und seinem Dauerrivalen Drew Brees im Rampenlicht. Mehr als gewöhnlich. Die Frage, die sich vor Spielbeginn wohl alle stellten: Funktioniert Brady auch ohne das System Bill Belichick? Ja, tut er. Trotz deutlicher Niederlage gegen die Saints (23:34). Trotz durchschnittlicher Leistung zum Auftakt (2 TD, 2 Interceptions, 239 Yards). Augenscheinlich war die fehlende Verbindung mit Top-WR Mike Evans, den der 43-jährige nur einmal erfolgreich anvisierte. Immerhin reichte es gleich für einen Touchdown, man könnte auch von purer Effizienz sprechen.
Für zusätzliche Brisanz in der Begegnung sorgte das Gerücht, dass Brady in der Off-Season fast bei den Saints untergekommen wäre, da Brees als CBS Kommentator im Gespräch war. Gekommen ist es anders. Das Duell Tom Brady gegen Drew Brees geht weiter. Im Head-to-Head steht es 4:2 für Brees, der mit 160 geworfenen Yards (Plus zwei TD) ein wenig an Boden verliert. Es geht um die All-Time-Leading Passing Yards: Der 41-jährige Saints QB steht aktuell bei 77.576 Yards, Brady bei 74.999 geworfenen Yards.

Pfeif auf das Power Ranking
Die Jacksonville Jaguars zeigen es vor. Don’t trust the Power Ranking. Die Jaguars (Rang 32) bezwangen die von NFL Experten weit höher eingestuften Indianapolis Colts (Rang 10) mit 27:20. Der von den LA Chargers geholte Quarterback, Philip Rivers, hat nach einem starken Beginn noch stärker nachgelassen. Seine beiden Interceptions ermöglichten dem Team von Doug Marrone, Head Coach der Jaguars, zehn Punkte. Dazu verpasst der Rookie Rodrigo Blankenship ein machbares Fieldgoal. Starting Running Back Marlon Mack verletzte sich frühzeitig und fällt mit einer Achillessehnenverletzung wohl länger aus. Ein herber Verlust. Allein in den letzten beiden Begegnungen gegen den Division-Rivalen verbuchte Mack 6,4 Yards per Carry und insgesamt 186 Yards. In der jungen Defense der Jaguars war es Rookie Cornerback C.J. Henderson, der den Colts ordentlich zusetzte. Der First-Rounder (Pick 9) war gemeinsam mit DE Myles Jack überall in der Defense auffindbar und zog den Colts den letzten Nerv. Der Schnauzer der Nation, QB Gardner Minshew, der neuerdings mit auffälliger Löwenmähne als Signal-Caller agiert, verbuchte 3 Passing-Touchdowns und brachte 19 seiner 20 Pässe an den Mann. Tanken für QB Trevor Lawrence von der Clemens University, dem vermutlichen Nummer 1 Pick im Draft 2021, ist vorerst kein Thema.

Lions Coach am heißen Stuhl
Wir haben den Kandidaten für den „Schleuderstuhl“ gefunden. Die Statistik von Lions Head Coach Matt Patrica ist unterirdisch: 9-23-1. Nach der Niederlage gegen die Chicago Bears (27:23) verschärft sich die Situation. Dabei gaben die Lions einen 17 Punkte Vorsprung aus der Hand. Mann des Spiels war QB Mitchell Trubisky, der den Kampf um den Starting-Job mit Nick Foles für sich entschied. Die Entscheidung von HC Matt Nagy wurde vor dem Spielbeginn von vielen NFL-Experten lautstark kritisiert. Die Antwort des First-Round-Picks von 2017 ließ etwas auf sich warten, fiel im letzten Viertel mit drei geworfen Touchdowns allerdings deutlich aus: Auf die Frage „ob die Probleme des vierten Viertels mit dem Coaching zusammenhingen“, reagierte Patricia überraschend: „Ich hatte mit den Patriots im Superbowl von 2017 eines der größten Spiele in der Geschichte der NFL. Gerade im vierten Viertel habe ich einen guten Job gemacht.“

Mit geballter Offensiv-Power zum Erfolg
Die Geräuschkulisse in den Stadien fehlte. Es war schlichtweg gewöhnungsbedürftig. Für QB Lamar Jackson und seine Baltimore Ravens kein Problem. Der MVP aus der Vorsaison zündete einfach am Feld des M&T Bank Stadium ein Feuerwerk. Der Sieg gegen die Browns (38:6) war nie in Gefahr. Beängstigend für seine Gegner ist die Entwicklung von Jackson, der erfolgreich als Passgeber agierte und seine Läufe reduzierte. 20 von 25 Würfen trafen ins Ziel und sorgten für einen Raumgewinn von 275 Yards. Damit sind die Ravens noch schwerer auszurechnen.
Für ein Highscore-Game sorgten auch die Seahawks, die bei den Atlanta Falcons mit einem 38:25 von dannen zogen. Es bewahrheitete sich einmal mehr: „Let Russ Cook“! Russell Wilson, der QB der „Hawks“, war von Anfang an auf Betriebstouren und beendete die Partie mit 4 Touchdowns und einer nahezu fehlerfreien Leistung.
Bei der Schlacht um den Norden behielten die Green Bay Packers gegen die Minnesota Vikings die Oberhand (43:34). Ein überragendes zweites Viertel mit 19 Punkten, QB Aaron Rodgers in der Pocket (4 TD) und eine WR-Group, angeführt von Star-Wideout Davante Adams mit 14 Receptions (2 TD), machte den Unterschied aus.

Eagles Absturz in Washington
Die Ausgangslage war klar. Die Philadelphia Eagles sind als Playoff-Kandidat in die Saison gestartet. Das Washington Football Team (ehemals Redskins) ging mit dem zweitschlechtesten Rekord der Vorsaison (3:13) in die Begegnung. Zu Beginn deutete nichts auf eine Überraschung hin. Das Team von HC Doug Pederson führte schnell durch zwei Touchdowns des wohl besten Tight End Duos der NFL, Zach Ertz und Dallas Goedert, sowie einem Fieldgoal. Der 17:0 Lead war schlussendlich nichts wert. Nach einer Interception von QB Carson Wentz kurz vor der Halbzeit lief alles für das Washington Football Team, die 27 Punkte in Folge erzielten. Im Blickpunkt: Die D-Line, die die angeschlagene O-Line der Eagles dominierte. In Zahlen ausgedrückt: 8 Sacks sowie insgesamt 3 Turnovers. Chase Young zeigte sein Potential gleich in seinem ersten NFL Spiel mit 1,5 Sacks und 4 Tackles. Ein Spiel zweier komplett verschiedenen Halbzeiten mit einem verdienten Sieger: Washington Football Team (27:17). In Philadelphia werden bereits die roten Flaggen gehisst.