Ein Blick in die Glaskugel gefällig? Der 12. Spieltag ist Geschichte, Zeit für fünf kühne Prognosen für die restliche NFL-Saison.


Carson Wentz ist Geschichte bei den Eagles
Carson Wentz wird immer mehr zu Dr. Jekyll und Mr. Hyde. Letzterer nimmt derzeit überhand. Der Quarterback der Philadelphia Eagles (3-7-1) steht unter Kritik. Seine bisherige Bilanz: 15 Interceptions, 16 Touchdowns, 2.541 Passing Yards. Handelt es sich hierbei um Jameis Winston 2.0? Zum Vergleich: Winston, der aktuell bei den New Orleans Saints unter Vertrag steht, beendete die Saison 2019 mit 5.109 Passing Yards, 33 Touchdowns, 30 Interceptions. Wenn ja, dann droht Wentz genauso wie Winston die Bank. Noch stärkt Head Coach Doug Pederson seinem Quarterback den Rücken. Der Gegenwind wird allerdings stärker. Schlechte Entscheidungen in der Pocket und ungenaue Würfe ziehen sich wie ein roter Faden durch die Saison. Gegen die Seattle Seahawks kamen 25 von 45 Pässe an den Mann. Wentz stand dank einer wackligen Eagles O-Line stetig unter Druck und kassierte sechs Sacks und 11 QB-Hits. Die Rufe nach Jalen Hurts werden lauter. Auf Fan- und Expertenseite. Am College spielte der 22-jährige unter anderem bei Oklahoma und Alabama. Gedraftet wurde er an Position 53 im diesjährigen Draft. Im Playdesign von Doug Pederson wurde Hurts bereits erfolgreich integriert. In den kommenden Wochen könnten weiter Snaps hinzukommen.

Isaiah Simmons wird Defense Rookie of the Year („DROY”)
Zugegeben, laut aktuellem Stand ist Simmons vom „DROY” so weit entfernt wie Colin Kaepernick von einem NFL Comeback. S Julian Blackmon (Indianapolis Colts), S Antoine Winfield (Tampa Bay Buccaneers), DE Chase Young (Washington Football Team) oder S Jeremy Chinn (Carolina Panthers) dürfen sich die größten Hoffnungen machen. Weshalb es dennoch klappen könnte? Ein überragendes Finish und mehr davon:

Das Potenzial von Simmons ist unbestritten. Doch der Reihe nach: Mit dem 8. Pick in Runde eins sicherten sich die Arizona Cardinals den wohl besten Linebacker der Draft-Class 2020. Die Leistungen von Rookie Patrick Queen (Baltimore Ravens) sollen an dieser Stelle nicht geschmälert werden. Ein Blick auf das Draft-Profil Simmons’ verrät: Der 22-jährige Absolvent der Clemson University ist im Grunde ein Mix aus Linebacker, Edge Rusher, Safety und Cornerback mit herausragender Physis. Von Head Coach Kliff Kingsbury wurde Simmons behutsam eingesetzt. Für viele Experten zu behutsam. Trotz überschaubarer Einsatzzeit konnte er meist überzeugen. Primär kam Simmons als Strong Safety zum Einsatz, in den letzten Spielen verstärkt als Linebacker.

Indianapolis Colts traden für Sam Darnold
Die New York Jets (0-11) sind weiterhin voll auf Kurs für Trevor Lawrence, dem heißesten Kandidaten für den Nummer 1 Pick im Draft 2021. Der mit Vorschusslorbeeren überhäufte College-Quarterback der Clemson Tigers hat in der laufenden Saison 2.236 Passing Yards und 19 Touchdowns erzielt. Für einen Verbleib von Darnold  bei den Jets spricht nicht viel. Die Leistungen am Feld waren durchwachsen (QB Rating von 36,7). Hinzu kommen eine löchrige O-Line sowie immer wieder kleinere Verletzungen, die verhindern, dass der 23-jährige sein volles Potenzial abrufen kann. Ein Abschied scheint vorprogrammiert zu sein. Die Dallas Cowboys haben Interesse gezeigt. Ein Gerücht, das schnell wieder verschwand. Ein Wechsel zu den Indianapolis Colts zum Ende der Saison könnte durchaus Sinn ergeben. Darnold wurde im Draft von 2018 an dritter Position auserwählt. Kurios: Kurz vor dem Draft gab es einen Trade mit den Colts, die mit den Jets die Plätze tauschten (von Position 5 auf 3). Mit dem Pick sicherte sich Head Coach Frank Reich Guard Quenton Nelson, der zukünftig für Darnold seine Blocks setzen könnte. Der 25 Millionen US-Dollar Vertrag des etatmäßigen Quarterbacks – Philip Rivers – läuft zum Ende des Jahres aus. Ersatz-QB Jacoby Brissett wird das Rüstzeug für die große NFL-Bühne abgesprochen.

Buffalo Bills verpassen die Playoffs
Die Buffalo Bills stehen bei einem Rekord von 8-3 und führen die AFC East souverän vor den Miami Dolphins an. Eine komfortable Ausgangssituation. Mit 299 erzielten Punkten steht die Offense auf Platz 9. Josh Allen liegt mit einem QB-Rating von ESPN mit 75,5 im Spitzenfeld der NFL. Die Qualitäten von WR Stefon Diggs (945 Receiving Yards, 4 Touchdowns) sind unbestritten. Im Laufspiel ist jedoch noch keine Konstanz zu finden, auch wenn zuletzt gegen die L.A. Chargers Besserung in Sicht war. Zack Moss und Devin Singletary wechseln sich im Backfield ab. Ein Lichtblick für die Bills war bisher das Special Team in Form von Andre Roberts. In seinen letzten drei Spielen hat Roberts 10 Kick-Returns für insgesamt 293 Yards erzielt und zwei Punt-Returns mit über 40 Yards.


Was nicht für das Team von Head Coach Sean McDermott spricht, ist die Defense, die auf Platz 17 rangiert und 282 Punkte zuließ. Hinzu kommt eine schwere Restauslosung, die mit den San Francisco 49ers und Pittsburgh Steelers in den nächsten zwei Wochen ihren Lauf nimmt. Danach in Runde 15 wartet mit den Denver Broncos eine lösbare Aufgabe. Die direkten Duelle gegen die Division-Rivalen New England Patriots (5-6) und Miami Dolphins (7-4) in Runde 16 und 17 versprechen ein Herzschlagfinale.

Abbruch der Regular Season 
Einen vorzeitigen Abbruch der Regular Season können und wollen sich die Wenigsten unter uns vorstellen. Ein Szenarium, das immer mehr zur Wirklichkeit wird. Die mehrfache Spielverschiebung der Ravens gegen die Steelers verspricht nichts Gutes und bringt den Spielplan weiter durcheinander. Die Rede ist immer mehr von einem zusätzlichen Spieltag (18.), um den Teams mehr Luft zu verschaffen. Aufgrund des fixierten Super Bowl Termins am 7. Februar 2021, der aufgrund der lukrativen TV-Verträge nicht verschoben wird, ist eine Verlängerung der Regular Season nicht möglich. Realistischer ist der aktuelle Notfallplan der NFL, dem 32 Klubbesitzer zugestimmt haben. Sollte es aufgrund der Corona-Pandemie zu einem vorzeitigen Abbruch der Regular Season kommen und diese nicht fortgeführt werden können oder zahlreiche weitere Regular-Season-Spiele abgesagt werden müssen, greift ein 16-Team-Playoff-Szenario. Unabhängig von der Pandemie wurde im Frühjahr beschlossen, dass sich nun sieben statt bisher sechs Teams pro Conference für die Playoffs qualifizieren. Damit hat nur noch die beste Mannschaft der AFC und NFC eine spielfreie Woche, während drei statt zwei Wild-Card-Games in der ersten Runde ausgetragen werden. In den Playoffs angekommen, müssen sich die Teams wohl auf „Local Bubbles” ganz nach dem Prinzip der NBA einstellen.