Tom Brady schreibt Geschichte. Wieder einmal. Der 43-jährige Quarterback führt die Tampa Bay Buccaneers mit einem souveränen 31:9 Sieg über die favorisierten Kansas City Chiefs zum Super Bowl Titel. „The G.O.A.T.” erhält damit seinen siebenten Super Bowl Ring. Für Tampa Bay ist es der zweite Titel seit dem Jahr 2003. Der Grundstein dafür wurde an der Line of Scrimmage gelegt, die von der starken O- und D-Line der Bucs dominiert wurde. Die Chiefs enttäuschten auf ganzer Linie und blieben ohne einen einzigen Touchdown.


Ein Bild mit Symbolcharakter: Tom Brady stemmt die 3,2 Kilogramm schwere Vince Lombardi Trophy in der Heimstätte der Bucs in die Höhe. 22.000 Fans verfolgten das Spektakel live vor Ort in Tampa, Florida. 800 Millionen weltweit am First- oder Second-Screen. Das größte Sportspektakel der Welt lockt bekannterweise nicht nur Football-Fans vor dem Vorhang. Oder besser gesagt: Auf das Sofa. Statt ausschweifender Super Bowl Parties sind landauf und landab Couchpotatoes auf ihre Kosten gekommen. Apropos Kosten. Das rege Interesse an der NFL ist auch Unternehmen bekannt, die für einen 30-sekündigen Werbespot rund 5,6 Millionen US-Dollar locker machten. Bevor es zwischen den Kansas City Chiefs und Tampa Bay Buccaneers sportlich zur Sache ging, wurde noch eifrig Patriotismus versprüht. In Form von Country-Star Eric Church und Soul-Sängerin Jazimine Sullivan, die „Star-Spangled Banner” im Duett performten. Um 0:30 MEZ läutete Referee Carl Cheffers den 55. Super Bowl der Geschichte mit dem Münzwurf ein.

Gronkowski Festspiele in Halbzeit eins
Ein großes Abtasten war nicht notwendig. Bruce Arians (Tampa Bay Buccaneers) gegen Andy Reid (Kansas City Chiefs). Zwei Head Coaches, die sich wie die eigene Westentasche kennen. Sie zählen als Architekten vieler erfolgreich etablierten Play-Designs in der NFL. Beide Teams standen sich bereits in Runde 12 der Regular Season gegenüber. Jedoch unter ganz anderen Voraussetzungen. Aus der 24:27 Niederlage habe die Bucs ihre Lehren gezogen. Zumindest die Defense, die in Halbzeit eins keine Big-Plays zuließ und die Chiefs das eine oder andere Mal zum Run-Game verführte. Ein konstanter Four-Man-Rush zwang QB Patrick Mahomes zu improvisierten Plays und auch zu Boden. Ein Sack von Shaquil Barrett zeigte gleich zu Beginn der Begegnung die Schwächen der Chiefs auf, die in der O-Line auf LT Eric Fisher und RT Mitchell Schwartz verzichten mussten.

Kicker Harrison Butker brachte die Chiefs mit einem Field Goal in Führung, die gefühlt keinen Wimpernschlag anhielt. Nach einem laufdominierten Drive der Bucs blitzte die Connection zwischen QB Tom Brady und TE Rob Gronkowski auf. Für Brady war es in der laufenden Saison der 37. Touchdown in der Red Zone.

Die Chiefs-Offense war weiterhin nicht vorhanden. Der Motor stotterte gewaltig und zwang Kansas City zum zweiten Punt in der Begegnung. Mahomes beendete das erste Viertel mit neun Passing Yards. Nur zwei von acht Passversuchen fanden ins Ziel. Schlimmeres verhinderte die Defense der Chiefs, die gleich drei Runs der Bucs-Offense vor der Goal Line stoppte. Die Chiefs Offense ließ sich davon nicht inspirieren, ein übler Drop von TE Travis Kelce stand sinnbildlich für die bisherige Performance. Hinzu gesellten sich fragwürdige Entscheidungen der Referees und unnötige Penalties, die Rob Gronkowski sowie WR Antonio Brown für weitere Touchdowns nutzten. Die 21:6 Halbzeitführung für Tampa war verdient, hatte aber ein bitteren Beigeschmack. Insgesamt acht Penalties ermöglichten den Bucs einen zusätzlichen Raumgewinn von 95 Yards. Patrick Mahomes blieb zum erst fünften Mal in seiner Karriere ohne Touchdown im ersten Abschnitt. Zu druckvoll agierte Tampa Bays Defense.

„The Weekend” und die Chiefs enttäuschen
Der erste Drive im dritten Viertel begann deutlich aufregender als die Halbzeitshow von „The Weekend”. Nach zwei Läufen von Rookie-RB Clyde Edwards-Helaire und einem Catch von Travis Kelce hielt die Bucs-Defense die Chiefs jedoch weiterhin aus der Endzone. Zumindest verkürzte Butker mit einem Field Goal auf 9:21. Brady wiederum blieb beim Altbewährten. Nach einem Big Play auf seinem Buddy Gronkowski stellte Leonard Fournette mit einem 27 Yards Powerrun auf 28:9. Die Defense hielt den Druck konstant aufrecht und zwang Mahomes zur ersten Interception. Altmeister Brady blieb dagegen fehlerfrei und dirigierte seine Offense mit Laufspielen und Play-Action-Passes über das Feld. Ein Field Goal von Ryan Succop zum 31:9 bedeutete den fünften Score im sechsten Bucs-Drive in Serie.

Auf ein Comeback wie im Super Bowl des Vorjahres hofften die Chiefs-Fans vergeblich. Patrick Mahomes beendete die Begegnung mit 270 Passing Yards und zwei Interceptions. Lediglich 26 seiner 49 Pässe fanden ins Schwarze. Der legitime Nachfolger des erfolgreichsten Quarterbacks aller Zeiten muss auf die „Staffelübergabe” weiter warten.

Brady wird Super Bowl MVP
„The G.O.A.T.” Tom Brady baut im ersten Jahr in Florida mit dem 7. Super Bowl Ring seinen Legenden-Status weiter aus. Der All-In Gedanke der Tampa Bay Buccaneers ging vollends auf. Die Verpflichtungen von Tom Brady, Rob Gronkowski, Antonio Brown und Leonard Fournette komplettierten ein talentiertes Team auf beiden Seiten der Line of Scrimmage. Bruce Arians hat es geschickt verstanden, Brady und seiner Offense die nötigen Freiheiten zu geben. Todd Bowles’ dominante Defense sorgte für den passenden Baustein auf der anderen Seite des Balles. Die Buccaneers krönen sich nach 2003 zum zweiten Mal zum Super Bowl Sieger. Tom Brady hat mit sieben Ringen mehr Titel als jede Franchise der NFL. Und das Kapitel Brady scheint noch nicht beendet zu sein.