Cleveland Browns vs. Indianapolis Colts (32:23)

Unser Spiel der Woche in Runde 5: Die Cleveland Browns gegen die Indianapolis Colts. Zwei Teams, die meist unter dem Radar fliegen. Die Browns sind am besten Weg ihr Loser-Image abzuschütteln, die Colts kämpfen um mediale Anerkennung. Weg vom Durchschnitt, hin zum Playoff-Kandidaten. Achtung Spoiler: Davon war recht wenig zu sehen. Die Browns dominierten an der Line of Scrimmage und die Colts müssen sich hinterfragen, ob der 25-Millionen-Deal für QB Philip Rivers zielführend war.

Eine zentrale Frage gleich vorweg: Wird Baker Mayfield nach dem Ausfall von RB Nick Chubb mehr Risiko eingehen und sein Spiel vertikaler ausrichten? Ja, tat er. Erstmals in dieser Saison erzielte der Quarterback der Browns knapp 250 Passing Yards (2 TD, 2 INT). Keine überragende Statistik. Die Defense der Colts, bei der LB Darius Leonard ausfiel, ist mit ihrer Zone-Coverage darauf ausgerichtet, wenig Big-Plays zuzulassen. 17 Spiele in Folge gelang es keinem Team im Eröffnungsdrive gegen die Colts einen Touchdown zu erzielen. Auch den Browns blieb diese Ehre verwehrt, die mit einem Fieldgoal von Cody Parkey in die Partie starteten.

Kein Schmalz bei Rivers

Im Gegenzug scorte Rookie RB Jonathan Taylor, der kurz vor der Endzone unberührt zum Touchdown spazierte. Ein munterer Beginn für HC Frank Reich, der auf die Dienste von Left Tackle Anthony Castonzo verzichten musste. Eine beeindruckende Serie ging damit zu Ende. 22 Spiele hintereinander schickte er seine O-Line in Bestbesetzung aufs Feld. Statt Castonzo übernahm Le’Raven Clark und beschützte die Blind Side von Philip Rivers. Myles Garrett, Defensive End der Browns, stellte sich höflicherweise gleich mit einem Sack vor. Um diesen zu entfliehen, fehlte es dem 38-jährigen Quarterback an Mobilität. Zu behäbig in der Pocket und bei den Würfen suchte man vergeblich nach dem Schmalz im Arm. Gut zu sehen beim Pick-6 von Safety Ronnie Harrison, der den Pass von Rivers mühelos abfing und die Browns mit 26-10 in Führung brachte. Die Antwort der Colts kam postwendend vom Special Team. Der Elitespeed von Rookie Isaiah Rodgers soll nicht unerwähnt bleiben:

Browns auf den Spuren von Bill Belichick

Die D-Line der Colts schaffte es nicht, Mayfield konsequent unter Druck zu setzen. Das Selbstvertrauen nahm laufend zu, HC Kevin Stefanski baute wieder ein erfolgreich gestaltetes Trick-Play ein. Dieses Mal war es WR Odell Beckham auf TE Austin Hooper, der zwar für keinen Touchdown, aber immerhin für 18 Yards Raumgewinn sorgte. Das Laufspiel der Browns fand ohne Nick Chubb nur in reduzierter Form statt. Sein RB-Kollege Kareem Hunt zeigt wieder seine Fähigkeiten im Passspiel:

Von einem gesunden Selbstvertrauen ist bei Rivers wenig erkennbar. Es folgten noch eine Interception sowie ein „Intentional Grounding“ in der eigenen Endzone, das für weitere Punkte der Browns sorgte. Die stehen nun bei 4-1. Ein positive Saisonbilanz, die es seit dem Jahr 1994 nicht mehr gab. Der damalige Head Coach? Richtig, Bill Belichick.

Bei den Colts stellt man sich mittlerweile die berechtigte Frage: Ist Philip Rivers die 25 Millionen US-Dollar im Jahr wert? Wohl eher nicht. Einen kleinen Seitenhieb gab es obendrein von HC Frank Reich: „Ich war überrascht, dass wir trotz unserer individuellen Fehler so lange im Spiel blieben.“