Die Buffalo Bills (13-3) setzen sich in einem Playoff-Thriller gegen die Indianapolis Colts (11-5) mit 27:24 durch. Für Veteran QB Philip Rivers könnte die Niederlage der Schritt in die Pension bedeuten. Für sein Gegenüber, QB Josh Allen, geht die Reise nach dem Wild Card Game weiter. Der MVP Kandidat erzielte 324 Passing Yards und drei Touchdowns.


Für Frank Reich, dem Head Coach der Colts, bedeutete das Spiel gegen die Buffalo Bills ein Blick in die Vergangenheit. Der 59-jährige war von 1985 bis 1994 bei den Bills als Quarterback engagiert. Für Schlagzeilen sorgte Reich im Jahr 1993, als er für eines der größten Comebacks in der NFL Geschichte sorgte. Als Ersatz Quarterback führte Reich seine Bills im Wild Card Game nach einem zwischenzeitlichen 3:35 Rückstand zu einem glamourösen 41:38 Overtime Sieg gegen die Houston Oilers. Ein Moment für die Ewigkeit, der in Buffalo auch im aktuellen Playoff-Spiel spürbar war. Die Colts gingen als klarer Außenseiter in die Begegnung. Zu dominant war das Auftreten von Josh Allen, Stefon Diggs & Co. speziell im letzten Saisonviertel. Nach einem kurzen Abtasten beider Mannschaften kam Ende des ersten Viertels Bewegung ins erste Wild Card Game dieser Saison. Ein Field Goal durch Rodrigo Blankenship brachte die Colts in Führung, die nicht lange anhielt. Die Zonenverteidigung von Colts Defensive Coordinator Matt Eberflus, der bei mehreren Teams als neuer Head Coach in Gespräch ist, ließ den Bills viel zu viel Raum. Ein dominanter Drive von Josh Allen fand mit einem improvisiertem Play kurz vor der Endzone einen krönenden Abschluss. Touchdown durch TE Dawson Knox.

Mut wird zum Übermut
Die Colts blieben ihrer Linie in der Offense treu. Run first – zumeist aus der Shotgun heraus, kombiniert mit kurzen Pässen und RB Screens. Die Bills Defense hat sich darauf recht gut eingestellt, den Rushing Touchdown durch Rookie Jonathan Taylor, der die Regular Season als drittbester NFL Rusher (1.169 Yards) abgeschlossen hat, konnte diese jedoch nicht verhindern. Zwischenstand: 10:7.
Nach einem raschen 3-and-out der Bills, schalteten die Colts einen Gang hinauf. WR Michael Pittman Jr., 2nd Rounder der Colts aus dem Draft von 2020, erzielte allein in der ersten Hälfte vier Receptions für knapp 100 Yards. Die bekannte Red Zone Schwäche von QB Philip Rivers machte sich kurz vor der Halbzeit bemerkbar. Statt einer passablen Führung änderte sich am Punktestand nichts. Der vierte Versuch wird von Frank Reich mutig ausgespielt, bleibt aber erfolglos. Mut, der zu diesem Zeitpunkt eher als Übermut zu betiteln ist. Die Bills nutzten die letzten zwei Minuten auf der Uhr gingen durch einen Touchdown von Allen in Führung. Der 24-jährige MVP Kandidat zeigte im Gegensatz zu seinem Gegenüber Red Zone Qualitäten:

Allen-Diggs-Verbindung als Erfolgsformel
Kurzer Szenenwechsel: 2019 gab es nur ein Playoff-Team, das nach einer Führung in der Halbzeit noch als Verlierer vom Platz ging: die Buffalo Bills. Dieses Schicksal blieb Head Coach Sean McDermott, Anwärter auf den Head Coach des Jahres, heuer verwehrt. Ein Nervenkrimi wurde es für McDermott allemal. Nach einem langen und mühevollen Drive der Colts setzte Kicker Blankenship seinen Field Goal Versuch an die Uprights. Ein spielentscheidender Moment. Seitens der Bills zeigte der Leading Receiver der NFL, Stefon Diggs (6 Receptions für 128 Yards), seine Qualitäten auf einer Go-Route und brachte die Bills 24:10 in Führung.

Hat Rivers’ letzte Stunde geschlagen?
Doch die Colts ließen sich nicht abschütteln. Das lag an einer gewissen Passivität der Bills und an Veteran QB Philip Rivers (309 Passing Yards, 2 Touchdowns). Ein Doppelschlag durch WR Zach Pascal und TE Jack Doyle brachte die Colts wieder in Schlagweite. Der Zwischenstand: 24:27. Ein erfolgreiches Field Goal und hinein in die Overtime. So weit sollte es nicht kommen. Eine turbulente Schlussphase und ein Hail Mary Passversuch von Rivers sorgten für den ersehnten Wild Card Game Thriller. Ein schwächelnder Wurfarm und die eine oder andere falsche Coaching-Entscheidung von Head Coach Reich beendeten schlussendlich alle weiteren Playoff-Ambitionen der Colts. Für Rivers könnte es nach der Niederlage in die Pension gehen, obwohl sich Reich einen Verbleib des 39-jährigen durchaus vorstellen kann. Die Bills ziehen mit dem Sieg ins Divisional Playoff und sind mittlerweile weit mehr als ein Geheimtipp.