Der letzte Spieltag in der Regular Season hat bekanntlich seine eigenen Gesetze. Die für das Playoff fixplatzierten Teams schonen ihre Starter, um Verletzungen zu vermeiden und Skill-Players mehr Regenerationszeit zu bieten. Potenzielle Playoff-Kandidaten legen nochmals alles Vorhandene in die Waagschale. Mit den Miami Dolphins (10-6) und den Arizona Cardinals (8-8) gibt es am 17. Spieltag zwei ganz große Verlierer. Die Indianapolis Colts (11-5) springen dagegen mit einem Sieg über die Jacksonville Jaguars (1-15) im letzten Moment auf den Playoff-Zug auf. Ebenso das Washington Football Team (7.9), das mit einem knappen Sieg über die Eagles die Nerven behielt.


AFC Playoff-Teams
Der amtierende Super Bowl Champion, die Kansas City Chiefs (14-2), sicherte sich den Titel in der AFC und erhält somit ein Freilos in der ersten Playoff-Runde. Diese komfortable Ausgangssituation erspielten sich Mahomes, Kelce & Co. bereits vor dem 17. Spieltag. Grund genug, um die Kadertiefe zu testen und Ersatzspielern die Chance zu geben, sich zu beweisen. Das Resultat war eine deutliche 21:38 Niederlage gegen die L.A. Chargers (7-9) mit einem erneut groß aufspielenden Rookie-QB Justin Herbert (4 Touchdowns). Für die Chiefs macht die Niederlage keinen Unterschied, da die Bye Week für das Playoff schon vor dem Spieltag fixiert wurde.

Zum ersten Verfolger der Chiefs in der AFC haben sich die Buffalo Bills (13-3) entwickelt, die erstmals seit 1995 den Titel in der AFC East erlangten. Die Dominanz der New England Patriots ist gebrochen. Selbst die Miami Dolphins haben den Pats in der Division den Rang abgelaufen. Für die Playoffs sollte es trotz einer 10-6 Bilanz nicht reichen. Gegen die Bills gab es zum Saisonabschluss eine bittere 56:26 Niederlage, obwohl diese mit CB Tre’Davious White, DL Jerry Hughes, WR Cole Beasley einige Starter schonten. QB Ryan Fitzpatrick stand Miami nicht zur Verfügung. Ein Prise „Fitzmagic” hätte den Dolphins mehr als gut getan. Die Offense war mit QB Tua Tagovailoa (3 Interceptions) harmlos und die Secondary völlig überfordert. Eine starke erste Hälfte von Bills QB Josh Allen genügte, um für klare Verhältnisse zu sorgen. Mit 4.320 Passing Yards stellte der MVP-Kandidat einen Franchise Rekord für Buffalo auf. Für die Dolphins ist eine vielversprechende Saison mit einer ordentlichen Klatsche zu Ende gegangen. Nach dem verpassen der Playoffs, ist der Blick nach vorne gerichtet. Im Draft von 2021 stehen den Dolphins gleich zwei First-Round-Picks zur Verfügung.

Von dem Sieg der Bills profitierten die Indianapolis Colts (11-5), die gegen die Jacksonville Jaguars (1-15) ihre Hausaufgaben mit einem 28:14 Sieg erledigten. Damit rutschte das Team von Head Coach Frank Reich auf den letzten Drücker ins Playoff Picture. WR T.Y. Hilton erzielte zwischenzeitlich seinen 50 Receiving Touchdown für die Colts. Für den 31-jährigen eine gute Verhandlungsbasis – der Veteran WR wird 2021 Free Agent. Immer besser in Fahrt kommt Rookie RB Jonathan Taylor, der 253 Rushing Yards abspulte.

Für den Titel in der AFC South reichte es trotz des Sieges nicht. Dieser geht an die Tennessee Titans (11-5), die sich in einem wahren Thriller gegen die Houston Texans (4-12) knapp mit 41:38 durchsetzten. Titans-Kicker Samuel Sloman bewahrte sein Team vier Sekunden vor dem Ende vor der Overtime. Die Titans sind wie im Vorjahr in der Post-Season vertreten. Head Coach Mike Vrabel hofft wieder auf eine lange Verweildauer. Im letzten Jahr mussten sich die Titans erst im Championship Game gegen die Chiefs geschlagen geben. Dem Siegeszug zum Opfer fielen damals auch die Baltimore Ravens (11-5), die es heuer ebenfalls im Playoff vertreten sind. Grund dafür war ein starker Endspurt und der finale 38:3 Sieg über die Cincinnati Bengals (4-11-1). Die explosive Run-Offense überrollte die Bengals regelrecht. Mit 404 Rushing Yards in einem Spiel brachen die Ravens ihren eigenen Franchise Rekord.

Nahe an einer perfekten Saison waren lange die fix im Playoff vertretenen Pittsburgh Steelers – zumindest bis zum 12. Spieltag. Danach folgten drei Niederlagen in Folge und zuletzt ein wenig überzeugender Comeback-Sieg gegen die Colts. Die Offense hat an Explosivität verloren, die O-Line an Stabilität. Von einem gesunden Laufspiel ist weit und breit nichts zu sehen. Gegen die Cleveland Browns (11-5) war es RB James Conner, der mit schlappen 37 Yards die interne Rushing-Liste anführte. Der 24:22 Sieg der Browns befördert das Team von Head Coach Kevin Stefanski direkt ins Playoff. Die seit dem Jahr 2002 andauernde Durststrecke der Browns ist somit vorüber.

NFC Playoff-Teams
Die Green Bay Packers (13-3) haben ihren Platz an der Sonne der NFC verteidigt. Mit dem 35:16 gegen die Chicago Bears (8-8) sichern sich die Packers das Freilos in der ersten Playoff-Runde. Bei den Packers stellten QB Aaron Rodgers und WR Davante Adams neue Franchise-Rekorde auf. Rodgers’ 48 Passing Touchdowns sowie Adams’ 115 Receptions und 18 Touchdowns in der Saison sind neue Bestwerte in Green Bay. Durch den Sieg der Packers waren die Erfolge der New Orleans Saints (12-4) gegen die Carolina Panthers (5-11) sowie der Seattle Seahawks (12-4) gegen die San Francisco 49ers (6-10) – zumindest den #1 Seed in der NFC betreffend – wertlos. Beide Teams konnten ebenfalls frühzeitig das Playoff-Ticket ziehen.

Trotz der Niederlage in Green Bay schaffen es auch die Chicago Bears (8-8) in die Playoffs. Die 7:18 Niederlage der Arizona Cardinals (8-8) gegen die L.A. Rams (10-6) spielte den Bears wunderbar in die Karten. Dabei war für die Cardinals alles angerichtet. Die Rams mussten aufgrund einer Daumenverletzung auf ihren Starting-QB Jared Goff verzichten. Sein Ersatz John Wolford hatte vor dem aktuellen Spieltag keinen einzigen Snap in der NFL gespielt. Sein erster Wurf: eine Interception. Für die Cardinals lief nach  einer 7:0 Führung im ersten Viertel nicht mehr viel zusammen. QB Kyler Murray zog sich neben seiner Schulterverletzung, die der 1st Overall Pick aus dem Jahr 2019 seit Wochen mitschleppt, auch eine Beinverletzung zu. Murray kehrte zwar im letzten Abschnitt auf das Feld zurück, konnte dem Spiel aber keine Wendung mehr geben. Mit dem Sieg der Rams belegt Head Coach Sean McVay Rang zwei in der NFC West und trifft im Playoff auf den Division-Rivalen, die Seattle Seahawks.

Weit souveräner war der Einzug in die Playoffs der Tampa Bay Buccaneers (11-5). Durch den 44:27 Erfolg gegen die Atlanta Falcons (4-12) sichern sich die Bucs den 5. Rang in der NFC. Wermutstropfen für das Team um Tom Brady: WR Mike Evans musste das Spielfeld mit einer Knieverletzung frühzeitig verlassen. Zuvor fing der 27-Jährige drei Bälle für 43 Receiving Yards. Dies macht ihn zum ersten Spieler aller Zeiten mit jeweils mehr als 1.000 Receiving Yards in den ersten 7 NFL-Saisonen. In Abwesenheit von Evans verließ sich Brady auf Chris Godwin und Antonio Brown, die jeweils 2 Touchdowns beisteuerten

In der NFC East haben die New York Giants ihre Pflicht erfüllt. Mit dem knappen 24:19 gegen die Dallas Cowboys wahrten die Giants ihre theoretische Chance auf die Playoffs. Der erste Sieg nach drei Niederlagen war jedoch zu wenig, um in die Post-Season zu gelangen. Das Washington Football Team (7-9) hatte im späteren Spiel gegen die Philadelphia Eagles alle Karten selbst in der Hand und spielte die richtigen Trümpfe aus. Mit dem 20:14 Sieg verteidigt Washington die Führung in der hart umkämpften aber qualitativ nicht unbedingt hochwertigen NFC East. Head Coach Ron Rivera dürfte es egal sein: Trotz einer negativen Bilanz von 7 Siegen und 9 Niederlagen ziehen die ehemaligen Redskins überraschend ins Playoff ein.

Der Spielplan in der ersten Playoff-Runde

Wild Card Round – NFC:

  • New Orleans Saints vs. Chicago Bears
  • Seattle Seahawks vs. Los Angeles Rams
  • Washington Football Team vs. Tampa Bay Buccaneers

Wild Card Round – AFC:

  • Buffalo Bills vs. Indianapolis Colts
  • Pittsburgh Steelers vs. Cleveland Browns
  • Tennessee Titans vs. Baltimore Ravens

Die Green Bay Packers (NFC) sowie die Kansas City Chiefs (AFC) haben als beste Teams ihrer Conference während der Wild Card Round eine  „Bye Week“. Sie sind bereits für die Divisional Round qualifiziert und treffen dort im eigenen Stadion auf das laut Setzliste schlechteste in der Wildcard Round siegreiche Team.