Der Super Bowl LVI – ein Erfolgsstory mit Happy End, das Hollywood nicht kitschiger schreiben hätte können. Die L.A. Rams besiegen im eigenen Stadion die Cincinnati Bengals mit 23:20. Les Snead, General Manager der Rams, ist für den Triumph in den vergangenen Jahren hohes Risiko eingegangen, wurde am Ende aber mit der begehrten Lombardi Trophy belohnt. Die Rams holen nach 22 Jahren wieder einen Super Bowl.


Nach den Tampa Bay Buccaneers im Vorjahr gewinnt heuer zum zweiten Mal in Folge ein NFL-Team den Super Bowl im eigenen Stadion. Die Heimstätte der Rams, das SoFi Stadium in Inglewood, liegt keine 20 Kilometer von Hollywood entfernt. Das Skript zum Erfolg könnte ohne Weiteres aus der Feder eines Schreibers der Traumfabrik entstammen. Die Führung der Rams hat hoch gepokert und am Ende den großen Preis gewonnen!

Das Finalspiel verläuft die längste Zeit ausgeglichen, ist hart umkämpft und wird gegen Ende hochspannend. Die Rams gehen nach etwa sieben Minuten durch einen Touchdown-Pass von Matthew Stafford auf Odell Beckham Jr. in Führung. Rookie-Kicker Evan McPherson bringt die Bengals durch ein Field Goal aus 29 Yards auf Scoreboard.

Zu Beginn des zweiten Viertels müssen die Rams Beckham Jr. vorgeben. Der Wide Receiver bleibt ohne Fremdeinwirkung im Kunstrasen hängen und muss das Spiel mit einer Knieverletzung vorzeitig beenden. Stafford legt dennoch einen weiteren Touchdown nach, diesmal auf Go-To-Receiver Cooper Kupp. Der anschließende Extrapunkt-Versuch misslingt. Noch vor dem Halbzeitpfiff verkürzen die Bengals auf 10:13. Running Back Joe Mixon findet nach einem Trick Play Tee Higgins in der Endzone.

Cooper Kupp: Matchwinner und Final-MVP
Nach der Pause brauchen die Bengals nur einen Pass, um das Spiel zu drehen. Joe Burrow trifft Tee Higgins, der den Ball 75 Yards zum Touchdown trägt. Eine Offensive Pass Interference an Rams-CB Jalen Ramsey bleibt dabei ungeahndet. Der anschließende Ballbesitz der Rams endet im ersten Play mit einer Interception. Ein weiteres Field Goal von McPherson bringt die Bengals mit 20:13 in Front. Matt Gay trifft wenig später für die Rams zwischen die Uprights und reduziert den Rückstand auf vier Punkte.

Zählbares gibt es danach länger nicht. Die Bengals haben das Laufspiel der Rams fest im Griff (23 Laufversuche für 43 Yards, im Schnitt magere 1,9 Yards pro Run). Stafford ist zum Werfen gezwungen, bleibt ohne OBJ aber vorerst erfolglos. Deutlich besser ins Rollen kommt die Defensive Front der Rams. Die O-Line der Bengals erweist sich im zweiten Abschnitt als die erwartete Schwachstelle und lässt insgesamt sieben Sacks zu. Beim letzten verdreht sich Burrow das Knie und humpelt vom Feld. Erinnerungen an die Vorsaison, in der ein Kreuzbandriss die Saison des Quarterbacks vorzeitig beendete, werden wach. Burrow kann das Spiel jedoch fortsetzen.

Knapp sechs Minuten vor dem Ende besinnt sich Head Coach Sean McVay auf seine stärkste Offensivwaffe. Cooper Kupp liefert im finalen Drive der Rams 5 Touches für 46 Yards, zieht zwei Holding Penalties und fängt eineinhalb Minuten vor Spielende den entscheidenden Touchdown zur 23:20-Führung. Der Leading Receiver und “Offensive Player of the Year” der Regular Season wird im Anschluss an das Finale zum Super Bowl MVP gekürt. Die Bengals schaffen diesmal kein Playoff-Comeback. Burrow entkommt beim entscheidenden letzten Versuch zwar knapp einem weiteren Sack durch Aaron Donald. Sein Pass findet jedoch keinen Empfänger.

Unsichere Zukunft bei den Rams?
Sean McVay gelingt nach der Finalniederlage vor drei Jahren gegen die New England Patriots im zweiten Anlauf der ganz große Wurf. Mit 36 Jahren wird er zum jüngsten Sieger-Chefcoach der Super Bowl Geschichte. Neben McVay ist General Manager Les Snead Architekt des Erfolgs bei den Rams. Dessen All-In-Strategie ging letztlich voll auf. Snead ist bekannt dafür, die Zukunft der Franchise im Sinne von hohem Draftkapital lieber für erfahrene Spieler einzutauschen. Nicht immer unumstritten.

2016 wanderten insgesamt sechs Draft Picks von den Rams zu den Titans, um Jared Goff an erster Stelle auswählen zu dürfen. Cornerback Jalen Ramsey ließ sich Snead die 1st Rounder 2020 und 2021 an die Jacksonville Jaguars kosten. Vergangene Offseason war Matthew Stafford das Objekt der Begierde. Für den Quarterback schickten die Rams Goff und die 1sts der beiden kommenden Drafts zu den Detroit Lions. Während der Saison wurden Von Miller von den Denver Broncos für zwei weitere Picks sowie Odell Beckham Jr. von den Cleveland Browns verpflichtet. Zwei spätere Picks 2022 haben die New England Patriots für Running Back Sony Michel bekommen. Allesamt Spieler, die am heurigen Erfolgslauf großen Anteil haben. Am Ende wurde Sneads hoher Poker belohnt.

Trotz der aktuell währenden Freude sind leichte Zweifel an der näheren Zukunft der Franchise angebracht. Für die kommende Saison liegen die Rams knapp 10 Millionen $ über dem Cap Space. Für Matthew Stafford steht dennoch eine lukrative Vertragsverlängerung an. Miller und Beckham Jr. sind nach dem Super Bowl Free Agents. Der kürzlich aus dem Ruhestand geholte Safety Eric Weddle wird endgültig in ebendiesen zurückkehren. Veteran-Tackle Andrew Whitworth winkt nach dem Super Bowl Triumph mit stolzen 40 Jahren ebenfalls das Karriereende. Gerüchte über ein solches gab es kürzlich auch um Star-DT Aaron Donald im Falle eines Final-Sieges. Ein möglicher Rücktritt des besten Defenders der vergangenen Jahre wäre für die Rams wohl der größte Verlust.

Während man in Los Angeles noch feiert, ist beim jungen Bengals-Team Wundenlecken angesagt. Dort ist die Priorität für die Offseason klar: Quarterback Joe Burrow um jeden Preis beschützen. Geld für die anstehende Free Agency ist mit 55 Millionen $ zur Genüge vorhanden. Ja’Marr Chase im vergangenen Draft an fünfter Stelle zu wählen, war im Nachhinein ein Goldgriff. Dennoch muss für die kommende Spielzeit die O-Line verstärkt werden. Die Gesundheit von Burrow eine weitere Saison aufs Spiel zu setzen, wäre aus Sicht der Bengals grob fahrlässig.