Off-Season ist News-Season in der NFL: Am 9. März wurden die mit Spannung erwarteten Franchise Tags vergeben. Insgesamt neun Teams machten von ihrem Recht gebraucht, Spieler ein weiteres Jahr an den Verein zu binden. Darunter die Wide Receiver Chris Godwin (Tampa Bay Buccaneers) und Allen Robinson (Chicago Bears) sowie Tackle Brandon Scherff vom Washington Football Team. Für alle anderen Free Agents beginnt nun die Jagd nach dem großen Geld.


Ab 17. März startet die NFL offiziell in die neue Saison. Der Salary Cap steht mittlerweile fest und beläuft sich in der kommenden Saison auf 182,5 Millionen US-Dollar. Rund 16 Millionen weniger als in der Vorsaison. Damit ist klar: Das Budget muss zielführend eingesetzt werden. Trotzdem ist die Verlockung vieler Teams groß, sich gerade zum Start der Free Agency Phase große Kaliber zu angeln. Nicht selten wird dabei kräftig die Hose runtergelassen. Vertragslose Spieler haben ab 17. März (22:00 Uhr MEZ) die Gelegenheit, fett dotierte Arbeitspapiere bei neuen Teams zu unterschreiben. Die Verhandlungen dazu dürfen laut NFL Protokoll bereits am 15. März starten. Die Daily Huddle Redaktion hat sich die interessantesten Free Agents näher angesehen.

Kenny Golladay, WR (Detroit Lions)
Dass die Detroit Lions Kenny Golladay nicht mit dem Franchise Tag versehen haben, ist eine der größeren Überraschungen der aktuellen Off-Season. Ein Abgang Golladays aus Detroit galt als sehr wahrscheinlich. Im Raum stand, dass die Lions den 27-jährigen taggen und im Anschluss traden. Golladay ist nun jedoch ein freier Mann und nach den Verlängerungen von Godwin und Robinson die heißeste WR-Aktie am Markt. Trotz einer von Verletzungen geplagten Saison 2020 mit nur fünf Einsätzen. Der Drittrunden-Pick aus 2017 ist eine Macht im Luftduell mit Verteidigern, postete 2019 zudem die zweitmeisten Yards nach Deep Balls. 2018 und 2019 stellte Golladay jeweils mehr als 1.000 Yards pro Saison auf, erzielte insgesamt 16 Touchdowns. Nun steht der große Zahltag bevor. Laut Gerüchten gelten die Miami Dolphins und New York Giants als heißeste Anwärter.

Aaron Jones, RB (Green Bay Packers)
Der potenzielle Abgang von Aaron Jones bei den Green Bay Packers ist weniger leistungsbedingt, als eine Frage des Geldes. Die Packers sind aktuell knapp 11 Millionen Dollar über dem Cap Space für 2021. Berichten zufolge soll Jones während der Saison ein Angebot zur Vertragsverlängerung für über 9 Millionen Dollar pro Jahr abgelehnt haben. Die Möglichkeit, Jones mit dem Franchise Tag für zirka acht Millionen Dollar für ein weiteres Jahr zu binden, haben die Packers verstreichen lassen. Ersatz steht mit A.J. Dillon, 2nd Round Pick 2020, intern bereits parat. Sportlich dürfte der Abgang von Jones dennoch schmerzen. Der 26-jährige mauserte sich zu einem der explosivsten Running Backs der Liga im Lauf- und Passspiel. In den vergangenen beiden Saisonen erzielte Jones 3.017 Total Yards und 30 Touchdowns, die zweitmeisten aller Running Backs nach Derrick Henry. Jones sucht angeblich einen Langzeitvertrag mit mindestens 12 Millionen Dollar pro Jahr. Eine Einigung mit den Packers scheint unwahrscheinlich. Dafür sollen die Miami Dolphins großes Interesse an einer Verpflichtung haben.

Trent Williams, T (San Francisco 49ers)
Ob Trent Williams tatsächlich den Free Agent Markt betritt, bleibt abzuwarten. Gut möglich, dass sich der 8-fache Pro Bowler und die San Francisco 49ers auf einen längerfristigen Vertrag einigen. Williams hat bereits anklingen lassen, dass die 49ers sein erster Ansprechpartner sind, nachdem sie ihn vor der vergangenen Saison aus Washington geholt haben. Bedenken zum bereits fortgeschrittenen Alter gibt es nicht. Trotz seiner 32 Jahre ist der 4th Overall Pick aus 2010 nach wie vor einer der besten Tackles der Liga, obwohl er 2019 keinen einzigen Snap gespielt hat. Die Saison 2020 schloss Williams mit dem besten PFF-Grading aller Offensive Tackles der NFL ab, zum bereits dritten Mal in seiner Karriere. Die 49ers haben einiges an Cap Space zur Verfügung und könnten Williams sogar zum bestbezahlten Tackle der NFL machen. Ein hochdotierter Langzeitvertrag ist dem künftigen “Hall of Famer” sicher – in- oder außerhalb von Kalifornien.

Joe Thuney, Guard (New England Patriots)
Die Frage nach der Wichtigkeit einer intakten O-Line kann aktuell wohl niemand so gut beantworten, wie Patrick Mahomes nach dem verlorenen Super Bowl. Umso überraschender ist, dass ein höchst zuverlässiger Guard wie Joe Thuney als Free Agent auf den Markt kommt. Kaum ein anderer Guard ist seit seinem Eintritt in die NFL derart konstant wie Thuney. Der 28-jährige wurde 2016 von den Patriots in der dritten Runde gedraftet und übernahm vom ersten Tag an die Starterrolle als Left Guard. Thuney hat seither in fünf Saisonen kein einziges Spiel verpasst. Die vergangenen drei Spielzeiten beendete der zweifache Super Bowl Champion im PFF-Ranking der Guards jeweils in den Top 10. Mit dem Trade für Tackle Trent Brown (Daily Huddle berichtete) dürfte sich Bill Belichick für einen Umbau seiner O-Line und gegen eine Weiterverpflichtung von Thuney entschieden haben. Der wird seinen großen Zahltag aber auch außerhalb von New England bekommen.

Hunter Henry, TE (Los Angeles Chargers)
Hunter Henry galt lange Zeit als das “Next Big Thing” auf der Position des Tight Ends. Von den Chargers 2016 in der 2. Runde aus Arkansas gedraftet, lieferte Henry einen vielversprechenden Beginn seiner NFL-Karriere. Den Plan der Chargers, TE-Legende Antonio Gates langfristig zu ersetzen, machten jedoch zahlreiche Verletzungen zunichte. Ein Nierenriss beendete Henrys Saison 2017 vorzeitig, die Spielzeit 2018 musste er nach einem Kreuzbandriss in der Pre-Season komplett aussetzen. 2019 verpasste der 26-jährige mehrere Spiele nach einem Bruch am Schienbeinkopf. In der abgelaufenen Saison wurde Henry zwischendurch auf die COVID19-Liste gesetzt, nachdem ihn die Chargers vor Saisonbeginn mit dem Franchise Tag versehen hatten. Davon hat die Franchise in dieser Off-Season abgesehen. Trotz Verletzungshistorie kann sich Henrys künftiger Arbeitgeber auf einen höchst verlässlichen Tight End im besten Alter freuen. Mit seinen Fähigkeiten als Receiver passt Henry in jedes Offensiv-System und könnte vor allem für junge Quarterbacks schnell zum neuen besten Freund werden.

Shaquil Barrett, DE (Tampa Bay Buccaneers)
Die aktuelle Free Agent Class hat u.a. mit Bud Dupree, Yannick Ngakoue, Carl Lawson, Haason Reddick oder Jadaveon Clowney eine Vielzahl an hochtalentierten Pass Rushern zu bieten. Der interessanteste ist wohl Shaquil Barrett von den Tampa Bay Buccaneers. Nicht nur aufgrund des kürzlich gewonnenen Super Bowls. Der 28-jährige mauserte sich in den vergangenen beiden Jahren zu einem der effizientesten Pass Rusher der NFL. Barrett heuerte 2014 als Undrafted Free Agent bei den Denver Broncos an. Für mehr als zur Rolle des Ergänzungsspielers sollte es in fünf Jahren bei den Broncos nicht reichen. Mit dem Wechsel zu den Buccaneers 2019 ging Barretts Stern in der NFL so richtig auf. Gleich in seinem ersten Jahr in Florida führte der ehemalige Absolvent der Colorado State University die NFL mit 19,5 Sacks an. Die Statistiken 2020 waren nicht ganz so spektakulär. Barrett hatte aber vor allem in den Playoffs maßgeblichen Anteil daran, dass die Bucs am Ende die Lombardi Trophy in die Höhe stemmen durften. Nach dem Franchise Tag für WR Chris Godwin und der Verlängerung von LB Lavonte David ist der finanzielle Spielraum des amtierenden Super Bowl Siegers begrenzt. Sollte sich Barett für einen Verbleib in Tampa Bay entscheiden, dann wohl nur zu einem großen Discount, um mit Tom Brady und Co. den nächsten Ring zu jagen.