Preview AFC South / Indianapolis Colts: 

„The Horseshoe is back, Baby“, Frank Reich, HC der Indianapolis Colts nach dem erfolgreichen Wildcard Game 2018 gegen die Houston Texans. Es folgte die pure Ernüchterung. Eine deutliche Playoff-Niederlage (31:13) gegen die Kansas City Chiefs im Arrowhead Stadium. Ein überraschendes Karriereende von All-Pro Quarterback Andrew Luck in der Pre-Season 2019. Eine Saison mit 7 Siegen, 9 Niederlagen. Zu wenig für den Playoff-Kandidaten. Ein Schuldiger wurde rasch gefunden: QB Jacoby Brissett. Nach einem passablen Start erlitt der ehemalige 3-Round Pick der Patriots gegen die Pittsburgh Steelers eine Knieverletzung, von der er sich nicht mehr erholte. Die ausbaufähige Bilanz zum Saisonende: 2.942 geworfene Yards, 18 TDs, 6 INTs. Im NFL Vergleich rangierten die Colts bei den angekommenen Pässen lediglich auf Platz 28. Leading-Receiver des Teams war Zach Pascal mit 607 Yards. Der Ausfall von „Parris Hilton“ – Star Wide Receiver T.Y. Hilton und Rookie Parris Campbell – machte die Aufgabe für den 27-jährigen Signal-Caller nicht leichter. Auf das erfolgreich etablierte Run-Game der Colts haben sich die Teams rasch eingestellt.

Horsepower im Backfield
Mittlerweile hat es sich Philip Rivers, langjähriger Quarterback der LA Chargers, in der Pocket gemütlich gemacht. Die herausragende O-Line der Colts dürfte den 38-jährigen genug Zeit geben, seine Würfe an den Mann zu bringen. Mit Michael Pittmann Jr., Top WR-Prospekt der USC und RB Jonathan Taylor verstärkte GM Chris Ballard im heurigen Draft die Offense. Vor allem das neue RB-Duo verspricht jede Menge „Horsepower“: Taylor, der über 6.000 Rushing Yards im College abspulte und Colts Starting RB Marlon Mack, der trotz zwei verpasster Spiele 1.091 Yards erlief, sind im Backfield gesetzt. Mit Nyheim Hines besitzt OC Nick Sirianni ein blitzschnelles Hybrid-Modell, das heuer verstärkt bei den „Third-Down-Versuchen“ im Pass- oder Run-Game zum Einsatz kommen wird. Auf der Position des TE ist Jack Doyle eine stabile Anspielstation. Mit Trey Burton wurde in der Off-Saison ein weiterer Veteran verpflichtet, der bereits unter HC Reich bei den Eagles aufblühte. TE Mo Alie-Cox gilt als Endzone-Target und soll den Abgang von Eric Ebron vergessen machen.

Big Q als Erfolgsfaktor
Was fehlt ist ein neues Front Face der Franchise. Ein Zugpferd, vor allem in der Offense. Dabei führt kein Weg vorbei an Quenton Nelson. Gemeinsam mit LT Anthony Castonzo, C Ryan Kelly, RG Mark Glowinski und RT Braden Smith bildet „Big Q“ eine der kompaktesten O-Lines der NFL. Ein 1,96 m großer Fels an der „Line of Scrimmage”. Dazu elastisch wie ein Gummiband. Der First-Rounder (Pick 6) der Colts aus dem Jahr 2018 hat die hohen Erwartungen mehr als erfüllt und erhielt in den letzten beiden Spielzeiten die NFL All-Pro-Auszeichnung. GM Chris Ballard fühlt sich bestätigt:

„Dieser Typ ist ein Ausnahmetalent. Wenn man die Chance erhält solch einen Spieler zu draften, muss man zuschlagen.”

Seine „Pancake Blocks“ sind gefürchtet. Pro Football Focus listet den Notre Dame Absolventen als zweitbesten Guard der NFL (+91.2).

Front Seven mit einem Fragezeichen
Ähnliches gilt für Darius Leonard, das Herz der Colts Defense. Der 2018 in Runde 2 gedraftete LB stieß mit deutlich weniger Vorschusslorbeeren zum Team. Und das ist noch harmlos ausgedrückt. NFL Experten sprachen ihm das Rüstzeug für die große NFL Bühne ab. Zu klein, zu ungenaue Tackles. Und was macht „The Maniac“? Er wird 2018 „Defensive Rookie of the Year” und tackelt alles weg, was sich ihm in den Weg stellt. Mittlerweile zählt er zu den besten LB der Liga. An seiner Seite steht  Anthony Walker Jr. Meist im Schatten von Leonard, jedoch unglaublich effektiv. Beide, Leonard wie Walker, verbuchten in der letzten Saison mindestens 120 Tackles, 2,5 Sacks und eine Interception. Mittlerweile reift ein weiteres Juwel im 4-3 Schema von DC Matt Eberflus heran: Bobby Okereke. Für Pat McAfee, dem „pensionierten“ Kult-Kicker der Colts, ein zukünftiger Hall of Famer.

Die D-Line, eine der Baustellen aus dem letzten Jahr, wurde mit All-Pro DT DeForest Buckner im Zuge eines Blockbuster Trades mit den 49ers verstärkt. Pass Rusher Justin Houston (11 Sacks in der Saison 2019) gilt als Fixpunkt „at the edge“. Als Breakout-Kandidat geführt wird Kemoko Turay. Der DE startet in seine dritte Saison und soll Jabaal Sheard, dessen Vertrag nicht verlängert wurde, ersetzen. Denico Autry, Sheldon Day and Tyquan Lewis batteln sich wohl um den letzten Starting-Job.

Baustelle Secondary
Nach dem Abgang von CB Pierre Desir zu den Jets mussten die Colts in der Secondary nachlegen. Die Wahl viel auf Veteran Xavier Rhodes, der bei den Colts zu alter Stärke finden soll. Bei den Vikings absolvierte der dreifache Pro Bowler 104 Spiele, 97 davon als Starter. Gegenüber verteidigt Rock Ya-Sin, der nach durchwachsenem Saisonstart und Schwierigkeiten in der Pass Coverage zum Ende aufblühte. Der ehemalige Wrestling Champion aus Georgia gilt als Fixpunkt in der Zone Coverage Defense von Matt Eberflus. Ebenso Slot-Corner Kenny Moore II. Der ungedraftete Moore schaffte 2017 bei den Patriots nicht den Sprung in den Kader – die Colts schlugen zu. Ein Move, den Bill Belichick, HC der New England Patriots, nach wie vor bedauert: „Ich mag Kenny und respektiere ihn dafür, wie hart er Tag für Tag arbeitet. Er ist einer der Jungs, die ohne große Erwartungen in die Liga kamen und sich schlussendlich einen Platz in der NFL erkämpften. Und das völlig verdient.”

Auf der Position des Safeties sind die Colts bestens aufgestellt. Malik Hooker als Free- und Khari Willis als Strong-Safety ergänzen sich am Feld optimal. Von beiden Spielern erwartet sich GM Ballard dennoch den nächsten Schritt. Hooker befindet sich im letzten Vertragsjahr und muss seinen First-Round Status rechtfertigen. Mit Julian Blackmon wurde im diesjährigen Draft in Runde 3 nachgelegt. Der Safety aus Utah (aktuell auf der PUP List) sowie George Odum bilden ein starkes Backup-Duo.

Wird Philip Rivers performen? Kehrt T.Y. Hilton zu alter Stärke zurück? Bekommt die Secondary mehr Stabilität? Trotz vieler Fragezeichen zählen die Indianapolis Colts heuer zu den Geheimtipps.

Tipp der Redaktion: Platz 2 in der Division AFC South