Das Playoff-Bild nimmt konkrete Formen an. Die NFL vergibt in dieser Saison 14 Playoff-Plätze, jeweils sieben Teams aus der AFC und NFC. Ein Freilos für die erste Runde (Wild Cards) erhält der Gewinner  der jeweiligen Conference. Aufgrund der Verschärfung der COVID-19 Situation wird seitens der NFL sogar überlegt, die Anzahl kurzfristig auf 16 Teams zu erhöhen – falls die Saison nicht beendet werden kann.


Mittlerweile ist die Hälfte der Regular Season absolviert, einige Teams befinden sich in einer komfortablen Position. In der AFC können sich die Kansas City Chiefs mit einer Bilanz von 7-1 durchaus in Sicherheit wiegen. Eine Postseason ohne dem amtierenden Super Bowl Champion ist aufgrund der bisher gezeigten Leistungen kaum vorstellbar. Hinter den Chiefs ist die AFC West hart umkämpft. Die Las Vegas Raiders stehen trotz schwerer Auslosung bei 4-3 und haben das Momentum auf ihrer Seite. Am 9. Spieltag der NFL folgt das Division-Duell gegen die LA Chargers (2-5). In Lauerstellung befinden sich die Denver Broncos (3-4), die eine Rückkehr von Star LB Von Miller in den kommenden 3-4 Wochen erwarten. Mehr Probleme bereitet die Offense, die laut PFF mit 147 Punkten auf Platz 28 rangiert.

In der AFC South ist eine Zweiklassengesellschaft erkennbar. Die Tennessee Titans führen die Division mit 5-2 an, mussten allerdings zwei Niederlagen in Folge einstecken. Mit CB Desmond King (LA Chargers) wurde kurz vor der Trade-Deadline die Secondary verstärkt. Die Indianapolis Colts (5-2) profitieren von einem wieder erstarkten Philip Rivers und einer bissigen Zone-Coverage-Defense. Wohin die Reise geht, wird spätestens nach den nächsten Begegnungen gegen die Ravens, Titans und Packers beantwortet. Die Jacksonville Jaguars (1-6) und die Houston Texans (1-6) werden mit der Postseason laut aktuellem Stand wenig zu tun haben.

Die AFC North wird von den Pittsburgh Steelers angeführt. Das einzig ungeschlagene Team in der NFL (7-0) hat kürzlich den Division-Rivalen, die Baltimore Ravens, in die Schranken gewiesen. Die Steelers zählen mit ihrer starken Front-7, die heuer bereits 30 QB-Sacks verbuchen konnte, zu den kompaktesten Teams in der NFL.

Bei den Ravens (5-2) ist dagegen Ernüchterung eingekehrt. Die Dominanz aus dem Vorjahr ist verflogen, die Big Plays von QB Lamar Jackson kommen immer weniger zum Vorschein. Auf das Power-Run Game konnten sich die gegnerischen Teams mittlerweile einstellen. Trotzdem: Die Playoffs sind fix eingeplant. Eine machbare Auslosung für die zweite Saisonhälfte (Ravens spielen unter anderem gegen die Giants, Jaguars, Bengals, Patriots…) spielt Head Coach John Harbaugh zusätzlich in die Karten. Mitmischen werden weiterhin die Cleveland Browns, die bei 5-3 stehen und ihre kürzlich erlittene Niederlage gegen die Raiders aufgrund der kommenden Bye-Week länger verdauen dürfen. Auf Platz 4 liegen die Cincinnati Bengals (2-5-1), die sich mitten im “Rebuild” befinden, aber durchaus gute Ansätze zeigen. Speziell die Verbindung von QB Rookie Joe Burrow zu seinem  WR-Duo Tylor Boyd (584 Receiving Yards) und Tee Higgins (488 Receiving Yards) ist vielversprechend. Die löchrige O-Line gilt nach wie vor als große Schwachstelle.

In der AFC East findet momentan eine Wachablösung statt. Die Buffalo Bills (6-2) haben den New England Patriots (2-5) den Rang abgelaufen und sind voll auf Kurs in Richtung Division-Titel. Eine seit 1995 andauernde Durststrecke neigt sich dem Ende zu. Bei den Patriots ist die Offense mit QB Cam Newton und der dünnbesetzten WR-Group schwer in der Kritik. Ein kräftiges Lebenszeichen geben auch die Miami Dolphins ab, die auf eine positive Bilanz von 4-3 blicken und mit dem Rookie-QB Tua Tagovailoa die Weichen für die Zukunft gestellt haben. Auf verlorenem Posten stehen die New York Jets (0-8). Der First-Overall-Pick 2021 ist fix eingeplant. Mit gleich zehn Draft-Picks hat die „Gang Green“ viele Darts zur Verfügung, um ins Schwarze zu treffen und ein schlagkräftiges Team rund um OT Mekhi Becton, DT Quinnen Williams und WR Denzel Mims aufzubauen.

Bleiben wir in New York City. Die Giants bilden in der schwachen NFC East das Schlusslicht (1-7). Der Ausfall von Star-Running Back Saquon Barkley schmerzt, ist aber sicher nicht der einzige Grund der desaströsen Performance. Daniel Jones blieb mit einem QB-Rating von 73,9 und 13 Turnover in 8 Spielen weit hinter den Erwartungen. Einen Sieg mehr am Konto können die Dallas Cowboys vorweisen (2-6) – dennoch scheint das Team von Head Coach Mike McCarthy im Powerranking hinter den Giants auf. Die Saison ist abgehakt. Die Niederlagen zu Beginn der Saison boten zumindest reichlich Entertainment (163 Punkte in den ersten 5 Runden). Seit der schweren Sprunggelenksverletzung von QB Dak Prescott ist von der gefürchteten Offense nichts mehr zu sehen. Da muss es Eigentümer Jerry Jones wohl selbst richten:

Die Philadelphia Eagles führen die Division (3-4-1) vor dem Washington Football Team (2-5) an. Bei den Eagles lichten sich langsam die Verletzungssorgen. Im Spiel gegen die Dallas Cowboys kamen bereits, OT Jason Peters, WR Jalen Reagor und TE Dallas Goedert zurück. Jetzt kommt die Bye-Week am 9. Spieltag auch gerade recht. WR Alshon Jeffery, RB Miles Sanders und OT Lane Johnson dürften nach überstandener Verletzung wieder für Head Coach Doug Pederson verfügbar sein. Wenn es rein nach der Leistung geht, hätte sich wohl kein Team der NFC (L)East eine Playoff-Teilnahme verdient.

Qualitativ um einiges hochwertiger ist die NFC North, die von den Green Bay Packers mit 5-2 angeführt wird. Die Lieblingsanspielstation von QB Aaron Rodgers ist WR Davante Adams, der mit 7 Touchdowns aus nur 5 Spielen am besten Weg zum “Offensive Player of the Year” ist. Dicht dahinter rangieren die Chicago Bears (5-3), bei denen kürzlich wieder die QB-Diskussion entfachte. Mitchell Trubisky oder Nick Foles? Hier scheiden sich die Geister auf Fan- und Experten-Ebene. Die Bears profitieren bisher von ihrer starken Passverteidigung, die nur 8 Passing Touchdowns zuließ. Deutlich geringere Chancen auf eine Playoff-Teilnahme haben die Detroit Lions (3-4), die kürzlich den Pass-Rush mit dem viermaligen Pro Bowler Everson Griffen (Cowboys) verstärkt haben, sowie die Minnesota Vikings (2-5). Bei den Vikingern sind es RB Dalvin Cook (652 Rushing Yards, 10 TD) und Rookie WR Justin Jefferson (563 Receiving Yard, 3 TD), die Lust auf mehr machen.

— NFL on ESPN (@ESPNNFL) November 2, 2020


In der NFC South hat sich Tom Brady gebührend vorgestellt. Der QB der Tampa Bay Buccaneers (6-2) zeigt, dass er nicht nur im System Belichick funktioniert. Die Leistungskurve zeigt weiter nach oben. Die Offense (Rang 3 bei den Total Touchdowns) sowie Defense (die meisten Interceptions der NFL) zählt zur NFL Elite. Bei den New Orleans Saints (5-2) ist RB Alvin Kamara die treibende Kraft in der Offense von QB Drew Brees. Mit dem wieder genesenen Star-WR Michael Thomas sollte diese einen weiteren Boost erhalten. Am 9. Spieltag kommt es zum großen Showdown der beiden QB-Legenden Brady und Brees, die sich aktuell um den All-Time Leading Touchdown Record duellieren.

Die Carolina Panthers stehen unter dem neuen Head Coach Matt Rhule bei 3-5. Christian McCaffrey kehrt nach überstandener Verletzung zurück ins Line-Up. Ein talentiertes Team, das auf der Suche nach Konstanz ist. Viel stärker einzuschätzen waren die Atlanta Falcons (2-6), die erst zwei Siege vorweisen können. Der Schuldige wurde rasch gefunden: Head Coach Dan Quinn musste bereits nach Runde 5 seinen Stuhl räumen. Wenn die Offense der Falcons mit dem WR-Duo Julio Jones und Calvin Ridly in Fahrt kommt, ist diese kaum zu stoppen. Die Defense dagegen ist weiterhin die große Baustelle im Team.

Die NFC West zählt zu den besten und attraktivsten Divisions in der NFL. Die Seattle Seahawks führen diese mit 6 Siegen und einer Niederlage an. Russell Wilson ist dabei auf MVP-Kurs und zündet mit einer beeindruckenden Leichtigkeit ein Offensiv-Feuerwerk nach dem anderen an. Auch der Hype rund um WR D.K. Metcalf ist ungebrochen, seine 680 Receiving Yards und 7 Touchdowns machen das Muskelpaket zu einem Top-3 WR der Liga. Die Defense wurde mit dem Pass-Rusher Carlos Dunlop (Bengals) kürzlich verstärkt. Die Secondary der “Hawks” lässt sich horizontal aber weiterhin leicht angreifen. Erster Verfolger sind die Arizona Cardinals (5-2), die auch das direkte Duell gegen Seattle für sich entscheiden konnten. Bereits vor der Saison – allen voran nach der Verpflichtung von WR DeAndre Hopkins (704 Receiving Yards) – galten die Cardinals als Geheimfavorit. Dem werden sie aktuell gerecht.

Bei den LA Rams (5-3) wechseln sich Licht und Schatten in einer verblüffenden Beständigkeit ab. Besonders die kürzlich erlittene Niederlage gegen die Dolphins wirft viele Rätsel auf. Mit einer Cover 0 Defense wurde QB Jared Goff häufig geblitzt und zu vier Turnovers gezwungen. Und das in einer einzigen Halbzeit. Die Bye Week am 9. Spieltag wird HC Sean McVay wohl für eine intensive Videoanalyse nutzen. Einen herben Rückschlag im Kampf um das Playoff mussten die San Francisco 49ers (4-4) hinnehmen. TE George Kittle und QB Jimmy Garapollo droht ein Ende der Saison (Daily Huddle berichtete). Nicht die ersten prominenten Ausfälle im Kader von HC Kyle Shanahan.