Die New York Jets fahren ihren ersten Saisonsieg ein, die Atlanta Falcons erleben ihr nächstes Brady-Drama und die Kansas City Chiefs bleiben auch nach dem 15. Spieltag in der NFL das Maß aller Dinge.


Die Geschichte mit den größten Sensationen im Sport erhält ein weiteres Kapitel. 1961 besiegte Cassius Clay, der seinen Namen später auf Muhammad Ali änderte, den amtierenden Weltmeister Sonny Listen. 2004 führte Otto Rehagel Griechenland zum EM-Titel und setzte dabei auf einen alten Klassiker: den Libero. Und 2020 gewinnen die New York Jets (1-13) tatsächlich ein Footballspiel. Der Vergleich hinkt freilich ein wenig. Doch klar ist: Den 23-20 Auswärtssieg gegen die L.A. Rams (9-5) hatten wohl nur die kühnsten Optimisten auf der Rechnung. Die erste Halbzeit der Rams kurz zusammengefasst: Punt, Punt, Blocked Punt, Interception, Punt, Punt. Field Goal mit dem Pausenpfiff. „So kann man kein Footballspiel gewinnen”, bringt es Head Coach Sean McVay auf den Punkt. Der Negativlauf der Jets ist gestoppt, eine andere Statistik bleibt aber noch aufrecht: In den letzten acht Opening-Drives hat die „Gang Green” stets gepunktet. Die größte Frage die sich nun stellt: Bleibt QB Sam Darnold der Signal-Caller in New York? Die Entscheidung wird wohl erst nach dem letzten Spieltag fallen.

Trotz der deutlichen 14-40 Niederlage der Jacksonville Jaguars (1-13) gegen die Baltimore Ravens (9-5), ist die Stimmungslage in Jacksonville eine heitere. Aktuell hat das Team von HC Doug Marrone das goldene Ticket in den Händen: Draft Pick Nr. 1. Clemson-QB Trevor Lawrence ist zum Greifen nahe. Weiterhin in Topform agiert bei den Ravens QB Lamar Jackson, der mit vier Touchdowns (3 Passing, 1 Rushing) einen maßgeblichen Anteil am Sieg hatte. Der zweite seiner drei Passing Touchdown traf WR Dez Bryant in der Enzdone. Für den langjährigen WR der Dallas Cowboy war es der erste Score in der NFL seit über drei Jahren.

Machdemonstration der Chiefs, Comeback der Bucs
Die Kansas City Chiefs (13-1) haben gegen die New Orleans Saints (10-4) ihren neunten Sieg in Folge eingefahren. Der 32:29 Triumph im Superdome der Saints war trotz des knappen Ergebnisses kaum gefährdet. Brees, der nach seiner überstandenen Verletzung ins Line-Up der Saints zurückgekehrt ist, wirkte zu Beginn behäbig. Die ersten drei Pässe waren unvollständig, sein vierter wurde von CB L’Jarius Sneed abgefangen. Im Laufe des Spiels stabilisierte sich der 41-jährige All Pro und beendete das Spiel mit 234 Passing Yards und drei Touchdowns. Sein Head Coach, Sean Payton, ist trotzt Niederlage positiv gestimmt: „Wir spielten mit viel Herz und haben nie aufgegeben, ich bin stolz auf mein Team.” Die Chiefs machten mit dem Sieg einen großen Schritt in Richtung AFC Titel, was gleichbedeutend ist mit einem Freilos in der ersten Playoff-Runde. Die Saints haben ihr Playoff-Ticket ebenfalls sicher, müssen aber in der NFC South noch um den Division-Titel kämpfen.

Dicht auf den Fersen der Saints sind die Tampa Bay Buccaneers (9-4), die sich gegen die Atlanta Falcons mit 31:27 durchsetzen konnten. Auch unter neuer Führung mit Interims Coach Raheem Morris dürften die Falcons ihre Angst vor dem Gewinnen nicht abgelegt haben. Eine 17:0 Führung wurde trotz eines groß aufspielenden WR Calvin Ridley (10 Catches für 163 Yards, 1 Touchdown) leichtfertig verspielt. Die Halbzeitansprache von Head Coach Bruce Arians dürfte Wirkung gezeigt haben. Drei Touchdowns, zwei durch RB Leonard Fournette und einer von WR Chris Godwin, brachten die Bucs wieder auf die Erfolgsspur. Der erste Touchdown von WR Antonio Brown für sein neues Team soll nicht unerwähnt bleiben.

Tom Brady, der gegen die Falcons weiterhin ungeschlagen bleibt, ist trotz des Sieges selbstkritisch: „Wir müssen versuchen, unsere Leistung über 60 Minuten abzuliefern.” Humor auch in bitteren Stunden beweisen dagegen die Falcons:

Bill Belichick begibt sich auf ungewohntes Terrain
Einen Tag nachdem die Buffalo Bills ihren ersten AFC East Division Titel seit 25 Jahre errungen haben (Daily Huddle berichtete), verabschieden sich die New England Patriots aus dem Playoff-Rennen. Die Miami Dolphins (9-5) ließen sich von dem 0-6 Pausenrückstand gegen die New England Patriots nicht beeindrucken. Vor allem dank einem starken vierten Viertel setzte sich das Team aus Miami in einer wenig berauschenden Partie mit 22-12 durch. Matchwinner war Rookie-QB Tua Tagovailoa mit zwei Rushing Touchdowns. Miamis Defense sorgte saisonübergreifend im 20. Spiel in Serie für ein Turnover und hielt die Patriots das gesamte Spiel aus ihrer Endzone. Die Patriots stehen nach der Niederlage bei 6-8 und sind damit zu erstem Mal seit 2008 nicht in den Playoffs vertreten. „Wir sind enttäuscht”, sagte Trainer Bill Belichick, „Aber wir haben es nicht verdient, heute zu gewinnen.”

AFC South spitzt sich weiter zu
Das Rennen um den Titel in der AFC South bleibt spannend. Im Fernduell setzten sich die Indianapolis Colts (10-4) im Division-Duell gegen die Houston Texans  (4-10) mit 27-20 durch, während die Tennessee Titans die Detroit Lions völlig auseinander nahmen. Überragender Mann beim 46-25 gegen die Lions war QB Ryan Tannehill mit 5 Touchdowns (3 Passing, 2 Rushing). Er ist damit der erste Spieler in der Geschichte der Titans mit einer derartigen Statistik. Auch für RB Derrick Henry (147 Yards, 1 Touchdown) gab es eine weitere Auszeichnung. Als erst vierter Spieler in der NFL-Historie lieferte er in zwei aufeinanderfolgenden Saisonen mehr als 1.500 Rushing Yards und +15 Rushing Touchdowns. Das Spiel gegen die Lions war bis Ende des dritten Viertels durchaus unterhaltsam. Matthew Stafford, erneut ohne WR Kenny Golladay, hielt mit Rookie-RB D’Andre Swift (2 Touchdowns) sein Team im Spiel. Drei Scores der Titans im letzten Abschnitt sorgten letztendlich für klare Verhältnisse.

Alle weiteren NFL Begegnungen zum 15. Spieltag findet Ihr in unserer Übersicht!