Große Überraschungen, Horror-Verletzungen, Trainer-Entlassungen und dunkle „COVID-19″ Wolken – zugegeben, die Einleitung klingt ein wenig reißerisch. In diesem Fall ist sie aber gerechtfertigt. Der 5. Spieltag der National Football League war nichts für schwache Nerven. Die Seattle Seahawks stehen nach dem Sieg gegen die Minnesota Vikings (27-26) erstmals in der Vereinsgeschichte bei 5-0. Die Pittsburgh Steelers und Tennessee Titans, beide mit einem Spiel weniger, tragen ebenfalls eine weiße Weste. Die Unschuld verloren haben die Kansas City Chiefs, die sich spektakulär den Las Vegas Raiders mit 32-40 geschlagen geben mussten. Der saisonübergreifende 13-Win-Streak des amtierenden Super Bowl Champions ist damit vorüber. Völlig überraschend unter die Räder kamen auch die San Francisco 49ers zu Hause im Levi’s Stadium gegen die Miami Dolphins (17-43).

Düster sieht es weiterhin in New York aus. Die Jets (10-30) gegen die Arizona Cardinals und Giants (34-37) gegen die Dallas Cowboys bleiben sieglos, ebenso die Atlanta Falcons, die sich kurz nach der Niederlage gegen die Carolina Panthers (23-16) von Head Coach Dan Quinn sowie General Manager Thomas Dimitroff trennten. Die Houston Texans konnten dagegen ohne Bill O’Brien ihren ersten Saisonsieg verbuchen: 30-14 gegen die Jacksonville Jaguars. Überschattet waren die Sonntags-Begegnungen von der schweren Knöchelverletzung von Dak Prescott, dem Quarterback der Dallas Cowboys (Daily Huddle berichtete). Auf der anderen Seite gab es aber auch einige Happy Ends zu vermelden:

Sensations-Comeback in Washington
Das Ergebnis beim Spiel des Washington Football Teams gegen die LA Rams war nebensächlich. Die große Story des Spiels war das emotionale Comeback von Alex Smith. Der 36-jährige Quarterback hat nach unglaublichen 693 Tagen wieder ein Footballfeld betreten. Eigentlich war Kyle Allen Starting-QB des Washington Football Team, nachdem Head Coach Ron Rivera Mitte der Woche Dwayne Haskins gebencht hat. Allen musste gegen die Rams Ende des zweiten Viertels verletzt vom Platz. Smith feierte dadurch nach fast zwei Jahren ein für viele Experten und Fans unmöglich gehaltenes Comeback. Kurzer Szenenwechsel: Smith hat sich am 18. November 2018 gegen die Houston Texans nach einem Sack das Schien- und Wadenbein gebrochen. Die Verletzung galt mehrfach als carreer-ending, Smith musste insgesamt 17 Operationen über sich ergehen lassen und war zwischendurch aufgrund einer Infektion in Lebensgefahr. Auch die Amputation des Unterschenkels stand mehrfach zur Diskussion. Die 30-10 Niederlage gegen die Rams konnte Smith nicht verhindern. Zu souverän war die Offense um QB Jared Goff. Zu dominant die Rams-Defense, die insgesamt für 7 Sacks sorgte. Für Smith an dem Tag vermutlich nur Nebensache. Standing Ovations von seiner Familie gab es trotzdem.

Neuer Shooting-Star in Pittsburgh
Einen wahren Schlagabtausch lieferten sich die Pittsburgh Steelers und die Philadelphia Eagles. „Man of the Match” war dabei Steelers-Rookie Chase Claypool mit 110 Total Yards und 4 Touchdowns (1 Rushing, 3 Receiving). Der 2nd-Round Pick der University of Notre Dame ist damit der erste Steelers-Rookie mit einem Rushing- und Receiving-TD im gleichen Spiel seit Hall-of-Famer Franco Harris in 1970.

Ein vierter Touchdown wurde Claypool im dritten Viertel wegen Offensive Pass Interference wieder aberkannt. Sein Auftritt war dennoch der eines zukünftigen Superstars. Gefühlt jeder Look in der Endzone von QB Ben Roethlisberger ging auf den 22-jährigen Wide Receiver aus Kanada. Dank Claypool und der Steelers-Defense sah es in Pittsburgh Mitte des dritten Viertels nach einem klaren Heimsieg aus. Eagles-QB Carson Wentz musste bis dahin 4 Sacks einstecken, warf zudem die bereits 8. Interception in der laufenden Saison. Dann fand Wentz mehrmals WR Travis Fulgham (6th-Round Rookie aus 2019), die Eagles konnten den Rückstand auf 29-31 verkürzen. Eine mögliche Eagles-Führung vergab Kicker Jake Elliot aus 57 Yards. Im folgenden Drive der Steelers wurde ein Ballverlust von TE Eric Ebron zurückgenommen. Für den Schlusspunkt sorgten erneut Claypool mit seinem 4. Touchdown sowie die Steelers-Defense mit Sack Nummer 5 und der zweiten Interception. Endstand 38-29 für das Team aus Pittsburgh, das nach der ungewollten Bye Week vergangene Woche (siehe Daily Huddle Bericht) weiterhin ungeschlagen ist. Die Steelers stehen damit seit 1978 und 1979 erstmals wieder bei 4-0. Der Super Bowl Sieger in den beiden Saisonen? Die Pittsburgh Steelers!

„The Greatest Show on Turf” in Baltimore?
Eigentlich gehört der Spitzname den 1999/2000er-Rams. Die Franchise, damals noch in St. Louis beheimatet, sorgte zur Jahrtausendwende mit einer spektakulären Spielweise für zahlreiche Offensivrekorde. Einen davon haben die Baltimore Ravens gestern zumindest eingestellt. Seit Lamar Jackson in der Saison 2018 am 11. Spieltag als Starter in Baltimore übernommen hat, haben die Ravens in allen 28 Regular Season Games mindestens 20 Punkte erzielt. Gemeinsam mit den Rams ist das die zweitlängste derartige Serie in der NFL-Geschichte. Auf die Bestmarke (30) der Denver Broncos von 2012-2014 fehlen noch zwei Partien.

Den Ravens hat gestern eine vergleichsweise bescheidene Leistung gegen die Cincinnati Bengals gereicht. Lamar Jackson brachte nur die Hälfte seiner Pässe an den Mann. Am Ende standen in der Statistik: 180 Passing Yards, 2 Touchdowns (je einer auf TE Mark Andrews und WR Marquise Brown) und eine Interception. Für die Bengals ausreichend. Das Team um Rookie Joe Burrow bekam offensiv gar nichts auf die Reihe. Schuld daran war einmal mehr die schlechteste O-Line der NFL. Burrow hat gegen Ravens ganze 7 Sacks kassiert. Für Burrow allerdings nichts Neues. Auch vor zwei Wochen musste er gegen die Philadelphia Eagles ganze 8 Mal zu Boden gehen. RB Joe Mixon, in der Vorwoche mit einem Carreer Game gegen die Jaguars, bekam gegen die Ravens ebenfalls nichts auf die Reihe. Die einzigen Punkte für die Bengals brachte Kicker Randy Bullock im letzten Viertel aufs Board. Das Duell der beiden LSU-Absolventen Joe Burrow und Patrick Queen ging am Ende klar an den LB der Ravens (27-3).

Alle Ergebnisse von Woche 5 bei uns auf Daily Huddle.