Das Déjà-vu ist perfekt! Zum zweiten Mal in Folge darf ein NFL-Team den Super Bowl im eigenen Station austragen. Die L.A. Rams treffen im heimischen SoFi Stadium in Inglewood, Kalifornien auf die Cincinnati Bengals. Im Endspiel stehen einander zwei Teams gegenüber, die auf durchaus unterschiedliche Weise zum Erfolg kamen.


544 Spiele sind in der laufenden NFL-Saison gespielt. Nur der krönende Abschluss fehlt noch. Das Grande Finale in der “Stadt der Engel” bestreiten die Bengals als bestes Team der AFC bei den Rams aus der NFC. Der Weg in den Super Bowl führte heuer erstmals durch 17 anstatt 16 Spielen in der Regular Season. Beide Teams gewannen ihre Division im Grunddurchgang. Die Bengals die AFC West mit einem Rekord von 10-7. Die Rams holten die heiß umkämpfte NFC West mit 12 Siegen und 5 Niederlagen. Die Offensivreihen der beiden haben in der Regular Season exakt 460 Punkte erzielt. In den Playoffs waren die zwei Teams jedoch ‘nur’ an Rang 4 in ihren jeweiligen Conferences gesetzt.

Jugend forscht in Cincinnati
In Cincinnati war die Freude über die erste Playoff-Teilnahme seit 2015 groß. Einzig Joe Burrow zeigte sich von der Euphorie wenig beeindruckt. Für den 2nd-Year Quarterback soll die Postseason künftig Standard statt besonderer Errungenschaft sein. Nach einem 26:19 Erfolg über die Las Vegas Raiders wurden die Tennessee Titans im Divisional Playoff (19:16) und die Kansas City Chiefs im AFC Championship Game (27:24 nach Overtime) eliminiert. Matchwinner in den letzten beiden Begegnungen: der eiskalte Rookie-Kicker Evan McPherson.

“Money Mac” ist nicht der einzige Jungspund, der bei den Bengals vor Selbstvertrauen strotzt. Joe Burrow wird in seiner zweiten NFL-Saison seinem Draft-Status mehr als gerecht. Der First Overall Pick 2020 beendete die Regular Season mit den fünftmeisten Passing Yards, der höchsten Completion Percentage und dem zweitbesten QB-Rating der NFL. Mit Rookie-Sensation Ja’Marr Chase, Tee Higgins und Tyler Boyd steht ein junges, hochtalentiertes Receiving-Arsenal zur Verfügung. Running Back Joe Mixon läuft seine bisher beste Saison, beendete 2021 als drittbester Back der Liga.

Alpha-Tier in der Offense ist dennoch Ja’Marr Chase. Der 5th Overall Pick 2021 brach in seiner Premierensaison reihenweise Rekorde und würde kürzlich zum “Rookie of the Year” gekürt. Die Zeit, in der Bengals-Fans mit dem 5. Pick lieber Verstärkung für die löchrige O-Line gesehen hätten, ist längst vorbei. Vergessen auch die Zweifel an Chases NFL-Fähigkeiten nach einigen Drops in Preseason-Trainings. Chase macht dort weiter, wo er mit Burrow im College bei LSU aufgehört hat: Dominieren! Die beiden stehen gemeinsam bei 6-0 in Playoff-Spielen im College bzw. der NFL. Ein weiterer Sieg fehlt zum ganz großen Wurf.

Im Super Bowl ist Chase Protagonist im wohl heißesten Privatduell. Ihm gegenüber steht Jalen Ramsey, laut Eigenaussage und PFF-Rating der beste Cornerback der Liga. Mutige Ansagen ist beiden im Vorfeld der Begegnung nicht fremd. Ein weiterer Schlüssel zum Erfolg liegt in der O-Line der Bengals. Die zeigt sich im Vergleich zum Vorjahr verbessert, von Elite ist die Einheit aber weit entfernt. In der Regular Season ließ die Frontline 55 Sacks zu (drittmeisten der NFL). Gleich neunmal musste Burrow im Divisional Game gegen die Titans zu Boden gehen. Im Super Bowl muss die Line halten. Auf der anderen Seite des Balles wartet eine der stärksten Defensive Lines der NFL.

Rams – wieder mal – All-In
Die Defense rund um Superstar Aaron Donald sorgte im Grunddurchgang für die drittmeisten Sacks der Liga. In der Postseason ließen die Rams die zweitwenigsten Yards per Game und im Schnitt die drittwenigsten Punkte zu. Hauptverantwortlich dafür ist neben Ramsey und Donald Pass Rusher Von Miller. Der wurde während der Saison für zwei Draft Picks von den Denver Broncos losgeeist. Ein erneuter All-In Move der Rams.

General Manager Les Snead hält frühe Draft Picks generell für überbewertet. Die Rams tauschen seit Jahren hohes Draftkapital lieber für erfahrene Spieler ein. Bis inklusive 2023 steht die Franchise sieben Saisonen in Folge ohne First Rounder da. Der letzte war Quarterback Jared Goff, den die Rams 2016 als 1st Overall Pick damals noch nach St. Louis holten. Goff wurde in der vergangenen Offseason mit den Firsts 2022 und 2023 zu den Detroit Lions geschickt. Im Gegenzug erhielten die Rams Matthew Stafford, der das fehlende Puzzlestück zum Erfolg sein soll.

Staffords erste Spielzeit in Los Angeles war nicht restlos überzeugend, dennoch statistisch eine der besten seiner Karriere. Nach 12 erfolglosen Saisonen bei den Lions durfte der 34-Jährige heuer seinen ersten Playoff-Sieg feiern. Im Wildcard Game behielten die Rams gegen die Arizona Cardinals mit 34:11 die Oberhand. Nach dem 30:27 gegen die Tampa Bay Buccaneers im Divisional Game ebnete ein 20:17 Erfolg gegen die San Francisco 49ers im NFC Championship Game den Weg ins Finale im eigenen Stadion.

Neben der Defense wartet auch die Offense der Rams mit reichlich Superstars auf. Wide Receiver Cooper Kupp spielte sich in der abgelaufenen Regular Season endgültig in die Elite auf seiner Position. Der 28-Jährige beendete die Spielzeit 2021 mit den meisten Receptions, Receiving Yards und Receiving Touchdowns der NFL. Auf den Kreuzbandriss von Robert Woods reagierten die Rams während der Saison mit der Verpflichtung von Odell Beckham Jr. von den Cleveland Browns. OBJ hat in Los Angeles zurück zu alter Stärke gefunden. Der Wide Receiver steht bei 6 Touchdowns aus den letzten 10 Spielen und zeigte sich in den Playoffs als verlässliche Anspielstation.

Zahlen, Fakten, Rekorde
Der Super Bowl wäre nicht das größte Einzelsportereignis der Welt, wenn er nicht Jahr für Jahr beeindruckende und kuriose Zahlen liefern würde. Für die weltweit höchsten Einschaltquoten müssen Firmen ordentlich ins Börserl fahren. Etwa 7 Millionen US-Dollar kostet ein Werbespot für 30 Sekunden auf NBC. Neben Stammgästen wie Pepsi, Budweiser und Verizon nutzen heuer vermehrt Krypto-Börsen die große Aufmerksamkeit. Vor den Fernsehern werden weltweit knapp 120 Millionen Zuseher erwartet.

Stolze Preise musste man auch für Eintrittskarten berappen, sofern man eines ergattern konnte. Das günstigste Ticket für das 100.240 Zuseher fassende SoFi Stadium kostet regulär 4.685$. Das Spiel wird, anders als im Vorjahr, bei voller Stadionauslastung stattfinden.

Country-Sängerin Mickey Guyton darf heuer die Nationalhymne zum Besten geben. Für Unterhaltung zur Halbzeit sollen Dr. Dre, Snoop Dogg, Eminem, Mary J. Blidge und Kendrick Lamar sorgen. Die beiden gehörlosen Rapper Sean Forbes und Warren Snipe begleiten die Show in Gebärdensprache.

Auf sportlicher Seite gibt es bereits im Vorfeld einen Rekord. Mit Sean McVay, 36, und Zach Taylor, 38, stehen einander die jüngsten Head Coaches aller Zeiten im Super Bowl gegenüber. Die beiden kennen einander bestens. Taylor war 2017 für zwei Jahre Teil von McVays Coaching Staff bei den Rams.

Cooper Kupp ist erst der dritte Spieler, der es als Receiving Leader der Regular Season in den Super Bowl geschafft hat. Joe Burrow könnte sich zum dritten Starting Quarterback der Geschichte küren, der einen nationalen College Titel und den Super Bowl gewinnt. Dies ist bisher nur Joe Namath und Joe Montana gelungen. Burrow wäre der erste, der zudem die Heisman Trophy im College gewonnen hat.

Mit Namath und Montana teilt sich Burrow die wohl kurioseste Statistik am kommenden Sonntag. Zum zehnten Mal steht ein Quarterback mit dem Vornamen ‘Joe’ im Super Bowl. Historischer Spitzenwert, ex aequo mit dem Namen ‘Tom’. Für alle 10 Final-‘Toms’ zeichnet ein gewisser Herr Brady verantwortlich, mit dem Burrow bereits verglichen wird. Brady gewann in seiner zweiten NFL-Saison seinen ersten Super Bowl. In dieser Hinsicht könnte dann Joe (Burrow) mit Tom (Brady) gleichziehen.