Mit dem Ende des 8. Spieltages sind knapp die Hälfte der Spiele in der Regular Season absolviert. Eine durchwegs positive Nachricht, die aufgrund der COVID-19-Pandemie keine Selbstverständlichkeit darstellt. Der Kampf um die Playoffs spitzt sich zu. Die Teilnahme am 55. Super Bowl, der voraussichtlich am 7. Februar 2021 in Florida in der Heimstätte der Tampa Bay Buccaneers stattfindet, ist das erklärte Ziel. Einige Teams sind davon so weit entfernt wie Philip Rivers von einem Rushing Touchdown. Oder Andy Reid von einem vegetarischen Buffet. Doch blicken wir hinein, in den 8. Spieltag:


Die Pittsburgh Steelers setzen ihre makellose Saison fort (7-0) und behalten im AFC North Division-Duell gegen die Baltimore Ravens mit 28-24 die Oberhand. Die Begegnung der erbitterten Rivalen blieb lange ausgeglichen. QB Lamar Jackson hatte einen durchwachsenen Abend verursachte gleich zu Beginn einen Pick 6. Besonders bitter: LT Ronnie Stanley, der kürzlich seinen Vertrag verlängerte (Daily Huddle berichtete), verletzte sich am Knöchel schwer und fällt für den Rest der Saison aus. Was nicht fehlen durfte, war eine Rudelbildung – die Unentschieden ausging. Einen kompletten Aussetzer hatte Matthew Judon. Der Linebacker der Baltimore Ravens kam dem Referee viel zu nahe und wurde daraufhin vom Platz gestellt.

Football wurde auch gespielt. Lamar Jackson konnte sich im Laufe des Spiels steigern und beendete den Abend mit 208 Receiving-, 50 Rushing-Yards, 2 geworfenen Touchdowns und 2 Interceptions. Für die Steelers sollte es nicht reichen. Die Ravens stehen bei 5-2 und liegen trotz Niederlage weiter auf Playoff-Kurs.

Grund dafür ist auch die Leistung der Cleveland Browns (5-3), die gegen die Las Vegas Raiders (4-3) mit 6-16 den Kürzeren zogen. Die Probleme in der Offense waren nach den Ausfällen von WR Odell Beckham Jr. und RB Nick Chubb eklatant. Die magere Ausbeute: zwei verwandelte Fieldgoals durch Cody Parkey.

Klarer als erwartet war der Sieg der Indianapolis Colts (5-2) über die Detroit Lions (3-4), die ihr siebentes Heimspiel in Folge verloren haben. Mann des Spiels beim 41-21 Triumph war RB Nyheim Hines, der als Pass-Catcher mit zwei Touchdowns seine Qualitäten unter Beweis stellte. Die Freude darüber war sichtlich groß:

In der AFC East findet aktuell eine Wachablösung statt. Die Buffalo Bills (6-2) besiegten die New England Patriots (2-5) mit 24-21 und sind am besten Weg, sich den Division Titel zu sichern. Eine seit 1995 andauernde Durststrecke neigt sich langsam dem Ende zu. Schwer angezählt ist QB Cam Newton, der im letzten Drive des Spiels einen Fumble fabrizierte und den sicher scheinenden Ausgleich für die Patriots verhinderte.

In dieser Division sind die Miami Dolphins (4-3) überraschend den Bills auf den Fersen. Gegen die LA Rams gelang der dritte Sieg in Folge mit jeweils einem 10+ Punktevorsprung. Der QB der Rams, Jared Goff, wurde vor der Pause zu 4 Turnover gezwungen, aus denen die Dolphins jeweils Kapital schlugen. Die Miami Defense sorgte am Ende für 2 Interceptions, 2 Fumbles und 11 verteidigte Pässe. Goff warf zwar 61 (!) Pässe auf seine Receiver, aber nur 35 davon fanden auch ihr Ziel.

Nicht viel treffsicherer war sein Gegenüber. Tua Tagovailoa reichte zum Debüt als Starting-QB mit 12 Completions für 93 Yards und einem Touchdown eine durchschnittliche Leistung. Seine ersten Dropbacks in der NFL hätte sich der First-Rounder (Pick 5) wohl anders vorgestellt. Der 22-jährige wurde von Michael Brocker und Aaron Donald von den LA Rams mit einem Sack begrüßt. Seine Antwort ließ allerdings nicht lange auf sich warten:

Kansas City Chiefs vs. New York Jets
Der Druck steigt. Bedrohlich schwebt das Damoklesschwert über Adam Gase hinweg. Die 9-35 Niederlage seiner New York Jets gegen die Kansas City Chiefs verbessert die Situation wenig. Gegen den amtierenden Super Bowl Champion ist ein Sieg nicht zwingend kalkulierbar. Trotz eines engagierten Beginns fragte man sich mit fortlaufendem Spiel, ob beide Teams die selbe Sportart betreiben. Alle 9 Punkte der Jets erzielte Kicker Sergio Castillo in seinem NFL-Debut. Die „Gang Green” hat damit in den letzten 19 Viertel mit der Offense nur zwei Touchdowns erzielt.

Zu offensichtlich war der Unterschied. Chiefs QB Patrick Mahomes stellte mit zwei Touchdowns gleich im ersten Viertel die Weichen für den Sieg. Am Ende waren es insgesamt 416 Yards für 5 Touchdowns (2 auf Tyreek Hill, je 1 auf Travis Kelce, Mecole Hardman und Demarcus Robinson) – ohne dabei an seine Leistungsgrenze gehen zu müssen. Mehr erwarten durfte man von RB Le‘Veon Bell, der bei 9 Touches magere 38 Yards erzielte (inkl. Fumble). Die 0-8 Jets treffen kommende Woche auf die New England Patriots bevor es in die Bye Week geht. Wohl ein idealer Zeitpunkt, um Adam Gase für seine Dienste zu danken und die Position des Head Coachs neu zu besetzen. Ob schon früher Spieler vor Ablauf der Trade Deadline das sinkende Schiff verlassen werden, bleibt abzuwarten. Ein Name, der immer wieder fällt: Quarterback Sam Darnold.

Green Bay Packers vs. Minnesota Vikings
Gleich zu Beginn gab es – wieder einmal – einen Saisonbestwert. Die Green Bay Packers haben als einziges Team der NFL bisher in jedem Opening Drive gepunktet. Die erste Halbzeit der Begegnung hatte wenig Spannung, dafür ein Kuriosum zu bieten. In zwei Vierteln gab es nur fünf Possessions – für beide Teams zusammen. Die fünfte davon mit nur 30 verbleibenden Sekunden bis zur Halbzeit. Überragende Männer der ersten Hälfte waren Packers-WR Davante Adams und Vikings-RB Dalvin Cook, beide mit je 2 Touchdowns. Adams nutzte die Unerfahrenheit der jungen Vikings Secondary brutal aus. Auf der anderen Seite war die Run Defense der Packers mit Cook heillos überfordert. Halbzeitstand 14-14. Weit weniger ausgeglichen lief der zweite Abschnitt. Vor allem, weil die Packers Offense ähnlich unfähig wie die eigene Defense agierte. Rodgers warf kurz vor dem Ende zwar den dritten Touchdown Pass auf Adams. Cook hatte davor aber weiterhin seine Freude mit der Packers Verteidigung und setzte noch zwei Touchdowns drauf. Es war nicht das erste Mal in der jüngeren Vergangenheit, dass ein Running Back die Green Bay Defense in ihre Einzelteile zerlegt hat. Cooks Stats am Ende: 163 Rushing Yards, 2 Receptions für weitere 63 Yards, 4 Touchdowns. Der erste Viking seit Ahmad Rashad in 1979 mit 4 Touchdowns in einem Spiel.

Cincinnati Bengals vs. Tennessee Titans
Eine kühle Prognose gleich vorweg: Wenn Derrick Henry über 100 Yards im Spiel läuft, stehen die Tennessee Titans bei 16-0. Henrys Rushing Stats im Spiel gegen die Bengals: 112 Yards, 1 Touchdown. Trotzdem gingen die Cincinnati Bengals als Sieger vom Platz. Die Titans Defense war nicht fähig, Joe Burrow & C0. vom Feld zu bekommen. Burrow ließ einmal mehr seine hervorragende Chemie zu dem WR-Duo Tyler Boyd und Tee Higgins aufscheinen. Altmeister A.J. Green war wieder kein Faktor, dafür durfte Auden Tate fleißig mitmischen. RB Giovani Bernard war ein mehr als würdiger Ersatz für den verletzten Joe Mixon und erzielte zwei Touchdown. Titans-QB Ryan Tannehill fand seine beiden Receiver Corey Davis und A.J. Brown je einmal in der Endzone. Am Ende dennoch zu wenig. Endstand 31-20 für die Bengals. Die Titans verlieren damit die zweite Begegnung innerhalb der AFC in Folge. Für die Bengals ist es der zweite Sieg in dieser Saison. Ein Erfolg, der den Bengals besonders gut schmeckt:

Die weiteren Begegnungen:

New Orleans Saints  vs. Chicago Bears  (26 – 23 nach OT)
Seattle Seahawks vs. San Francisco 49ers (37 – 27)
Denver Broncos vs. Los Angeles Chargers (31 – 30)
Philadelphia Eagles vs. Dallas Cowboys (23 – 9)