Die Seattle Seahawks (7-3) schlagen zurück: Nach zwei Niederlagen in Folge bezwingen Russell Wilson & Co die Arizona Cardinals (6-4) im Thursday Night Game mit 28-21 und setzen sich vorerst an die Tabellenspitze der NFC West.


Russell Wilson gegen Kyler Murray. Klingt nach einem Offensiv-Spektakel: Mit den Seattle Seahawks traf die beste Scoring Offense der NFL (32,2 Punkte pro Spiel) auf die Arizona Cardinals, die im Schnitt 425,5 Yards erzielen und als bestes Rushing-Team der Liga gelten. Gleich vorweg: Dem großen Hype wurde die Begegnung nicht gerecht. Russell Wilson, in den vergangenen zwei Partien mit ganzen 7 Turnover, startete mit einem souveränen Opening Drive: 75 Yards Downfield, 5 von 5 Pässen kamen an den Mann. Der Letzte davon traf WR DK Metcalf für 25 Yards in der Endzone. Für Metcalf, der in der Vorwoche von Jalen Ramsey komplett aus dem Spiel genommen wurde, war es der fünfte Touchdown mit 25+ Yards in der laufenden Saison – Bestwert in der NFL.

Die Cardinals kamen deutlich schwerer ins Spiel. Erst zu Beginn des zweiten Viertels fand RB Kenyan Drake den Weg aufs Scoreboard. Russell Wilson antwortete mit einem weiteren Passing Touchdown auf Metcalfs Kollege Tyler Lockett. Der anschließende Extrapunkt-Versuch verfehlte sein Ziel. Von Kyler Murrays MVP-Ambitionen war bis dahin wenig zu sehen. Eine im ersten Viertel zugezogene Schulterverletzung hemmte den 23-jährigen sichtlich. Die Seattle-Defense hatte Murray stets gut im Griff und hielt den in der Regel sehr agilen Quarterback bei 15 Rushing Yards. Anstatt spektakulärer „Hail Murray”-Würfen gab es mehrfach Behandlungen an der Seitenlinie. Den Schlusspunkt der ersten Hälfte setzte Seahawks-Kicker Jason Myers mit einem Field Goal zum 16-7 Pausenstand.

Murray kommt verbessert aus der Halbzeit
Zu Beginn der zweiten Hälfte zeigte sich Murray deutlich präsenter. Im ersten Drive im dritten Viertel führte er seine Offense mit sieben First Downs ganze 81 Yards über das Feld, begünstigt durch zwei Penalties der Seattle-Defense. TE Dan Arnold schloss den Ballbesitz mit einem 4-Yard Touchdown ab.

Zu diesem Zeitpunkt führten die Seahawks mit drei Punkten, die ihren folgenden Drive nach einem unkreativen Play-Call rasch beenden mussten. Ein Personal Foul von Cardinals-CB Dre Kirkpatrick brachte jedoch Wilson und seine Offense zurück aufs Feld. Eine Strafe, die teuer bezahlt wurde. RB Carlos Hyde erhöhte mit einem Rushing Touchdown auf 23-14.

Auf der Gegenseite war das Laufspiel der Cardinals nicht existent (Gesamt 57 Rushing Yards). Zu stark war die Run Defense der Seahawks rund um Bobby Wagner und Jamal Adams. Zudem leistete sich die Arizona-Offense in weiterer Folge frustrierende Penalties. Murray war es vorerst egal. Zu Beginn des vierten Viertels fand er seinen völlig alleingelassenen RB Chase Edmonds in der Endzone und machte das Spiel wieder spannend. Stand: 21-23 aus Sicht der Cardinals.

Isaiah Simmons brotlose Kunst
Überragender Spieler in der Cardinals-Defense war LB Isaiah Simmons, der immer mehr Spielzeit unter HC Kliff Kingsbury erhält. Der 8. Pick im 2020 Draft hielt sein Team mehrfach im Spiel. Sein Engagement fällt jedoch unter die Kategorie „brotlose Kunst”. Die Offense der Cardinals fabrizierte weiter Penalties am Fließband. Besonders schmerzhaft: Nach einem Intentional Grounding durch Murray folgte ein Holding seines O-Liners in der eigenen Endzone. Das Resultat: Safety und zwei weitere Punkte für die Seahawks, die dazu noch den Ball erhielten. Ein weiteres Field Goal von Myers erhöhte den Vorsprung der Seahawks auf 7 Punkte. Den Cardinals blieben zweieinhalb Minuten für eine Aufholjagd. Murray brachte sein Team bis an die gegnerische 27-Yards Linie. Die vielgescholtene Passverteidigung der Seahawks hielt dem Druck jedoch stand. DE Carlos Dunlap, der im Laufe der Saison von den Cincinnati Bengals kam,  beendete die Begegnung mit einem Sack.

Fazit: Das Spiel endete deutlich unaufgeregter als vor vier Wochen, als beide Teams ein Offensiv-Feuerwerk mit 1.091 Total Yards ablieferten. Keine Big Plays oder spektakuläre Scrambles der beiden Quarterbacks. Weder Murray, noch Wilson waren in diesem Spiel in MVP-Form. Letzterer schaffte es zumindest, die Ballverluste abzustellen und führte die Seahawks unspektakulär zum Sieg. Beide Teams haben nun eine lange Woche bis zum 12. Spieltag vor sich. Die Cardinals treffen nächsten Sonntag auswärts auf die New England Patriots. Die Seahawks bestreiten das Monday Night Game bei den Philadelphia Egales.