Nach sechs gespielten Runden sind in der NFL noch drei Teams ungeschlagen: die Seattle Seahawks, die Pittsburgh Steelers und die Tennessee Titans. Am kommenden Spieltag wird zumindest eines der drei Teams seine weiße Weste verlieren. Gut zu wissen: Das Spiel der Seattle Seahawks gegen die Arizona Cardinals wurde auf Montag 01:20 (MEZ) nach hinten verlegt. Die Seahawks gehen als Favorit in das Duell der beiden NFC West Teams. Das Spitzenspiel am Wochenende steigt in Tennesee. Die Titans begrüßen am Sonntag bereits um 18:00 Uhr (MEZ) die Pittsburgh Steelers im heimischen Nissan Stadium. Beide Teams stehen aus gutem Grund mit 5-0 an der Spitze der AFC.

Henry + Tannehill + Vrabel = Erfolg
Der Erfolg der Titans lässt sich an den üblichen Verdächtigen festmachen. Dampfwalze Derrick Henry rennt Woche für Woche seine Gegner in Grund und Boden (siehe Josh Norman). „King Henry” steht nach 5 Spielen bei 588 Rushing Yards (6 Touchdowns). Mehr als kein anderer Running Back in der Liga. Sein Quarterback blüht im zweiten Jahr bei den Titans so richtig auf. Ryan Tannehills Bilanz: 13 Touchdowns, 2 Interceptions und das drittbeste QB-Rating der Liga. Mehr als die Hälfte der Touchdowns (7) gingen dabei an seine Tight Ends. Vor allem, weil sich WR1 A.J. Brown gleich zu Saisonbeginn verletzt hat. Tannehill konnte dessen Comeback in Woche 5 kaum erwarten. Seit seiner Rückkehr ist Brown das Top-Target. 16 Passversuche, 12 Receptions für 138 Yards und drei Touchdowns in den beiden Spielen gegen die Bills und Texans.

Neben Henry, Brown und Tannehill ist vor allem ein Mann für den Erfolg in Tennessee verantwortlich: Head Coach Mike Vrabel. Der ehemalige Linebacker scheint in seiner dritten Saison vieles richtig zu machen. Die Defense agiert solide – auch wenn der Pass Rush mit Landry, Clowney und Crawford hinter den Erwartungen liegt. Die Offense läuft unaufhaltsam. In vier von fünf Spielen haben die Titans jeweils mehr als 30 Punkte erzielt. Und Vrabel trifft kluge Entscheidungen. Wenn es sein muss, auch durch Strafen. Schon in der vergangenen Saison hat er seinen ehemaligen Mentor Bill Belichick im AFC Wild Card Game mit einer Reihe von Penalties zur Weißglut gebracht (wir erinnern uns). Am vergangenen Wochenende folgte ein weiterer Geniestreich, der am Ende einen knappen Sieg gegen die Texans brachte.

Tannehills Ruhe, Henrys Power, Browns Fähigkeiten als WR und Vrabels Coaching sind eine absolute Erfolgsformel. Geht es in dieser Gangart weiter, steht den Titans heuer wieder eine lange Saison bevor. Vielleicht sogar länger als vergangenes Jahr, wo erst im AFC Championship Game gegen die Kansas City Chiefs Endstation war. Einziger Wermutstropfen: der Ausfall von Left Tackle Taylor Lewan, der aufgrund eines Kreuzbandrisses für die Saison ausfällt.

Die glorreichen 7 aus Pittsburgh
In Pittsburgh werden sieben Männer gefordert sein, Derrick Henry zu stoppen. Nicht wenige Experten halten die Front Seven der Steelers aktuell für die Beste in der NFL. Henry trifft am Sonntag auf die stärkste Run-Defense der Liga. Nur 331 zugelassene Rushing Yards in 5 Spielen. Auch die Passverteidigung ist momentan Ligaspitze: 1.095 zugelassene Passing Yards, nur neunmal fanden gegnerische Quarterbacks ihre Receiver in der Steelers-Endzone. Dazu kommen die meisten Sacks (24) aller Teams in der NFL. Der Pass Rush rund um OLB T.J Watt hat bisher in jedem Spiel den gegnerischen Quarterback mindestens dreimal zu Boden gebracht.

Wie stark die Defense der Steelers wirklich ist, bleibt abzuwarten. Die ersten vier Gegner in der laufenden Saison waren die Giants, Broncos, Eagles und Texans – allesamt ohne Winning Record. Keines der Teams liegt in den Offense-Rankings der Liga in den Top 20. Am 6. Spieltag folgte jedoch eine Machtdemonstration gegen die Cleveland Browns, eine der besseren Offensivreihen der NFL. Die Steelers Defense hielt QB Baker Mayfield bei 145 Passing Yards, das Run-Game der Browns bei 75 Yards. Der deutliche Sieg der Steelers gegen die Browns war dennoch teuer erkauft. Linebacker Devin Bush, bisher zweitbester Tackler der Steelers, fällt mit einem Kreuzbandriss den Rest der Saison aus. Besonders bitter, wenn am Wochenende Derrick Henry und Tannehill mit seinen Tight Ends am Feld gegenüber stehen.

Big Ben kann aus dem Vollen schöpfen
Die Defense entlasten soll vor allem ein Mann, auf dessen Comeback man in Pittsburgh in der Off-Season sehnsüchtig gewartet hat: Quarterback Ben Roethlisberger, der in der vergangenen Saison aufgrund einer Ellbogenverletzung 14 Spiele verpasst hat. Big Ben spielt bisher keine überragende, aber eine solide Saison. 11 Touchdowns, nur eine Interception, das QB-Rating des 38-Jährigen ist in den Top-10 der NFL. Roethlisbergers neues Lieblingstarget ist Rookie-WR Chase Claypool. Der 2nd-Round Pick aus Notre Dame steht bei 335 Receiving Yards und insgesamt 6 Touchdowns. Sein WR-Kollege Juju Smith-Schuster führt die Steelers mit den meisten Receptions an. Diontae Johnson, mit einer vielversprechenden Rookie-Saison 2019, ist ebenfalls wieder fit und möchte an seine Leistungen in den ersten beiden Spielen anschließen. WR James Washington und TE Eric Ebron werden so wie RB James Conner ebenfalls regelmäßig ins Passspiel eingebunden. Auf die Titans kommt am Sonntag also neben der dominanten Steelers-Defense auch ordentlich Offensiv-Power hinzu.

Das letzte Aufeinandertreffen der beiden Teams liegt bereits knapp drei Jahre zurück. Die Steelers konnten die Partie im November 2017 mit 40-17 klar für sich entscheiden. Der bisherige Saisonverlauf beider Teams lässt eine deutlich ausgeglichenere Partie erwarten. Nicht nur aufgrund der beiden Quarterbacks.