Der Saisonauftakt mit den Chiefs und Texans hat Lust gemacht. Lust auf mehr American Football. Wir haben uns für die NFL-Begegnungen am Sonntag (13.09.) fünf individuelle Matchups herausgesucht und diese näher beleuchtet:

1) Joe Burrow, QB, Bengals vs. Joey Bosa und Melvin Ingram, EDGE, Chargers

Welcome to the NFL. In seinem ersten Spiel als Profi darf sich der ehemalige LSU Quarterback und 1st overall Pick Joe Burrow gleich mit dem hervorragenden Pass Rush der LA Chargers auseinandersetzen. Joey Bosa (11.5 Sacks in 2019) und Melvin Ingram (7 Sacks in 2019) sind dafür bekannt, regelmäßig und konstant Druck von beiden Seiten auf den gegnerischen QB auszuüben. Kombiniert mit einer Bengals O-Line, die 2019 von Pro Football Focus als drittschlechteste der Liga gereiht wurde, könnte dies zu einem unangenehmen Debüt für Burrow werden. Hoffnungsträger bei den Bengals ist in diesem Sinne LT Jonah Williams. Der Erstrundenpick aus dem Vorjahr musste verletzungsbedingt seine komplette Rookie-Saison aussetzen und gibt am Sonntag ebenfalls sein NFL-Debüt. Nur wenn er die Blind Side seines Quarterbacks erheblich besser beschützen kann als sein Vorgänger in 2019, werden die Bengals und Burrow eine Chance auf eine erfolgreiche Saison haben.

2) Todd Gurley, RB, Falcons vs. Bobby Wagner, LB, Seahawks

Wenn am Sonntag in Atlanta die Falcons auf die Seahawks treffen, kommt es zu einem der besten und bewährtesten individuellen Matchups zwischen Runningback und Linebacker in der NFL. Gurley und Wagner kennen sich aus etlichen Aufeinandertreffen innerhalb der NFC West zwischen den Seahawks und Rams, Gurleys ehemaligem Team, und haben sich dort unvergessliche Duelle geboten. Mit fast 4.000 total Yards und 40 Touchdowns in 2017 und 2018 wurde Todd Gurley noch vor einem guten Jahr als der wohl beste Runningback der Liga betrachtet. Eine Knieverletzung und darauffolgende „schlechte“ Saison (1.064 total Yards, 14 Touchdowns in 2019) später wurde Gurley von den Rams entlassen und wird aktuell in kaum einer Expertenrunde als Top-10 RB erwähnt. Es ist zu erwarten, dass Gurley in seinem neuen Team alles daran setzen wird, der Welt zu beweisen, dass er nach wie vor zu den besten Spielern auf seiner Position zählt. Dabei bekommt er es in Woche 1 mit Bobby Wagner zu tun, der 2019 die meisten Tackles der Liga hatte (159) und unter Experten als der beste Linebacker der NFL gilt. Ein gesunder und motivierter Todd Gurley würde Wagner alle Hände voll zu tun geben und auf eine vielversprechende Saison für die Falcons hindeuten. Sollte Gurley allerdings weiterhin von seinem Knie beeinträchtigt sein, wird er 2020 wohl eher an seine durchschnittliche Leistung aus dem Vorjahr anschließen.

3) Amari Cooper, WR, Cowboys vs. Jalen Ramsey, CB, Rams

Im Sunday Night Game kommt es in Los Angeles zu einem der besten WR vs. CB Matchups der Saison. Amari Cooper gilt, insbesondere seit seinem Wechsel zu den Dallas Cowboys im Herbst 2018, als einer der besten Wideouts der Liga. Mit 1.189 Yards und 8 Touchdowns war Cooper in der vergangenen Saison die wichtigste Anspielstation von QB Dak Prescott und konnte in fast jedem Spiel mit präzisem Route Running und akrobatischen Catches überzeugen. Nur in Woche 15 gegen Jalen Ramsey und die LA Rams war Cooper abgemeldet: 1 Catch für 19 Yards, seine schlechteste Performance des Jahres. Der aggressive Spielstil von Ramsey, dessen Stärke in Press-Coverage und Bump-and-Run-Technique liegt, scheint Cooper Schwierigkeiten zu bereiten. Schon 2016, im ersten Matchup zwischen den beiden, konnte Cooper lediglich vier Catches für 29 Yards verbuchen. Sollte Cooper auch im dritten Aufeinandertreffen gegen Ramsey schwanken, könnte es ein langer Tag für die Cowboys Offense werden. Man darf in jedem Fall auf einige Highlights aus diesem Matchup gespannt sein.

4) Kevin Stefanski (HC Browns) vs. John Harbaugh (HC Ravens)

Es gibt für die Cleveland Browns keine Ausreden mehr. Das einst so erfolgreiche Team aus Ohio hat seit unglaublichen 17 Jahren nicht mehr die Playoffs erreicht und ist in den letzten Jahren regelrecht zu einer Lachnummer der NFL mutiert. Mit QB Baker Mayfield, dem First-Round Pick im 2018 NFL Draft, hätte sich alles ändern sollen. Das Browns Front Office hat über die letzten Jahre alles investiert und bekannte Namen wie WR Jarvis Landry, WR Odell Beckham Jr., RB Kareem Hunt, DE Olivier Vernon und TE Austin Hooper akquiriert. Der Erfolg blieb bisher allerdings aus. Jetzt soll es der neue Head Coach und Offensive Mastermind Kevin Stefanski richten, der letzte Saison die Offense der Minnesota Vikings bis tief in die Post-Season geführt hat. Dem neuen Browns Coach steht vor allem in der Offense bestes Personal zur Verfügung. In Woche 1 bekommt es Stefanski allerdings gleich mit John Harbaugh und den Baltimore Ravens zu tun, deren Defense 2019 als Dritter in erlaubten Punkten und Vierter in erlaubten Yards zu überzeugen wusste – eine denkbar schwierige Aufgabe für Cleveland. Man darf gespannt sein, ob 2020 unter Stefanski die mit Superstars bespickte Offense der Browns endlich ins Rollen kommt.

5) DeAndre Hopkins, WR, Cardinals vs. Richard Sherman, CB, 49ers

DeAndre Hopkins: 4-facher Pro Bowler, 2-facher 1st Team All-Pro. Richard Sherman: 5-facher Pro Bowler, 3-facher 1st Team All-Pro, Super Bowl Champion. Ein weiteres WR vs. CB Matchup, auf das in Woche 1 alle Augen gerichtet sein werden. In seinem ersten Spiel als Arizona Cardinal trifft Hopkins mit Richard Sherman auf einen der besten Defensive Backs der letzten Dekade. Die Connection zwischen QB Kyler Murray und seinem neuen WR dürfte im Training gut funktioniert haben. Im ersten gemeinsamen Spiel könnte es aber dennoch zu Abstimmungsschwierigkeiten kommen. Sherman hat sich in seinem dritten Jahr in San Francisco längst als Leader der Defense etabliert und möchte 2020 mit seinem Team den letzten Schritt machen, der 2019 mit der Niederlage in Super Bowl LIV nicht geklappt hat. Das letzte Aufeinandertreffen zwischen Hopkins und Sherman vor drei Jahren (Woche 7, 2017, Houston Texans @ Seattle Seahawks) konnte der WR mit 8 Catches, satten 224 Yards und einem TD klar für sich entscheiden. Sollte Hopkins am Sonntag eine ähnliche Stat-line produzieren, ist ein Cardinals-Sieg gegen den Division-Rival aus San Francisco möglich.