Die 24-0 Niederlage der New York Jets gegen die Miami Dolphins hatte fast schon Murmeltiertag-Charakter. Ein Spieltag gleicht dem anderen. Eine Klatsche folgt der nächsten. Die Tage von HC Adam Gase sind gezählt. Auch diese Message befindet sich in der Dauerschleife. Die Jets stehen bei 0-6. Immerhin sorgte die “Gang Green” gegen die Dolphins für das “Play of the Game”:

Die Atlanta Falcons konnten ihren Absturz zwischenzeitlich stoppen. Überragender Spieler beim 40-23 Sieg über die Minnesota Vikings war WR-Superstar Julio Jones. Nach überstandener Leisten-Verletzung verzeichnete der 7-fache Pro Bowler 8 Receptions für 137 Yards und 2 Touchdowns. Die Verbindung mit Matt Ryan erinnerte an bessere Zeiten. Nach den turbulenten Wochen stehen die Falcons nun bei 1-5. Am kommenden Spieltag warten die Detroit Lions – eine lösbare Aufgabe. Bei den Vikings sorgte QB Kirk Cousins mit 3 Interceptions in der ersten Hälfte für eine traurige Bilanz.

Die Pittsburgh Steelers behalten mit einem 38-7 Triumph über die Cleveland Browns ihre weiße Weste und stehen nach dem 6. Spieltag bei einer Saisonbilanz von 5-0. Der Sieg im Division-Duell der AFC North viel deutlicher aus als erwartet. Die Browns sind wieder in der Realität angekommen. Die Chance aufs Playoff ist aber weiterhin intakt (4-2). Nächste Woche trifft das Team von HC Kevin Stefanski auf die Cincinnati Bengals, die aktuell gegen die Colts einen neuen Trend in der NFL fortsetzten: Hoch führen, knapp verlieren!

Comebacks liegen Trend

An jedem bisherigen Spieltag konnte zumindest ein Team einen Rückstand von 16 oder mehr Punkten aufholen und in einen Sieg verwandeln. NFL-Rekord! Für ein grandioses Comeback am 6. Spieltag sorgten die Indianapolis Colts, die gleich zu Beginn des Spiels in Form eines Turnovers eiskalt von den Cincinnati Bengals erwischt wurden. Die hochgelobte Defense der Colts gönnte sich bis zum Anfang des zweiten Viertel ein kurze Schaffenspause. Stand: 0-21. Danach ging es schnell: Bis zur Pause konnte das Team von HC Frank Reich den Rückstand dank zweier Touchdowns von TE Trey Burton und einem Score von WR Zach Pascal auf 21-24 verkürzen. Die Bengals dürften ihr Pulver in der ersten Halbzeit verschossen haben. Die einzigen Punkte im zweiten Abschnitt erzielte Kicker Randy Bullock. Den Colts genügt ein Touchdown von TE Jack Doyle sowie ein Field Goal von Rodrigo Blankenship, um die Partie mit 31-27 nach Hause zu spielen. Für die Colts das zweitgrößte Comeback in der Geschichte der Franchise. Der NFL-Streak mit Comeback-Wins nach einem Rückstand von 16+ Punkten geht somit in der kommenden Woche weiter. Die Colts stehen bei 4-2 und freuen sich nach der Aufholjagd auf ihre verdiente Bye Week.

Knapp dran an einer beeindruckenden Aufholjagd waren die Philadelphia Eagles. Für die Eagles sah es lange Zeit nach der nächsten bitteren Niederlage aus. 0-17 und 6-24 betrug der Rückstand im dritten Viertel gegen die Baltimore Ravens. Dann bewies der stark kritisierte Carson Wentz mit zwei Passing Touchdowns inklusive erfolgreicher Two Point Conversions mächtig Qualität. Zwei Minuten vor dem Ende verkürzte Wentz mit einem Rushing Touchdown den Rückstand auf 2 Punkte. Die dritte Two Point Conversion blieb jedoch erfolglos. Endstand 30-28 für die Ravens.

Noch knapper war es am Ende für die Houston Texans. Obwohl man gegen die Tennessee Titans im ersten Viertel 0-14 und im zweiten Viertel mit 7-21 zurück lag. Dank mutiger Calls von Interims-HC Romeo Crennel und einer grandiosen Leistung von QB Deshaun Watson (335 Yards, 4 Touchdowns) drehten die Texans die Partie im letzten, höchst spannenden Viertel. Titans-QB Tannehill gelang mit dem 2. Touchdown-Pass des Tages auf A.J. Brown 7 Sekunden vor dem Ende der Ausgleich. Dass die Texans doch noch als Verlierer vom Platz gingen, lag wenige Snaps später an Dampfwalze Derrick Henry, der zum finalen 42-36 in die Endzone lief. Ein Unheil, das Deshaun Watson bereits beim Münzwurf zur Overtime kommen sah.

Kicker are people too!

Diesen Spruch nimmt sich vor allem die Franchise von Jacksonville zu Herzen. Gleich fünf Kicker verbrauchten die Jaguars in der laufenden Saison. Nach Josh Lambo, Brandon Wright, Aldrick Rosas und Stephen Hauschka durfte diese Woche Jon Brown sein Glück suchen. Dabei ist Brown gar kein gelernter American Football Spieler, sondern ehemaliger Fußballer der Kentucky Wildcats. In Louisville hat er es zwar mit Football versucht, war aber nur als Spezialist für Kickoffs im Team. Brown hat in seiner ganzen Karriere kein einziges Field Goal oder einen PAT-Kick versucht. Gegen die Detroit Lions gab es die Premiere. Einen von zwei Field Goal Versuchen hat er zwar verschossen, dafür den einzigen Extrapunkt verwandelt. An ihm lag es  nicht, dass die Jaguars daheim gegen die Lions mit 16-34 untergingen. QB Gardner Minshew brachte nur 25 von 44 Passversuchen an den Mann, sorgte dafür für zwei Turnover. Rookie-RB James Robinson machte es mit nur 2.4 Yards per Carry bei 12 Laufversuchen und einem Lost Fumble nicht besser. Viel besser war hingegen die Leistung von D’Andre Swift, dem heurigen 2nd-Round Pick der Lions. 116 Rushing Yards und 2 Touchdowns sind für HC Matt Patricia hoffentlich genug Argumente, um Swift in den kommenden Wochen vor dem alternden Adrian Peterson starten zu lassen.

Erfolgreicher als bei den Jaguars war der Kicker der Denver Broncos. Der musste nach zahlreichen Ausfällen bei den Broncos (Courtland Sutton auf IR, Melvin Gordon, Noah Fant und K.J. Hamler OUT) und einer schwachen Leistung von QB Drew Lock (nur 10 Completions bei 24 Passversuchen, 2 Interceptions) die Denver-Offense alleine tragen. Alle 18 Punkte beim 18-12 Erfolg gegen die New England Patriots wurden von Brandon McManus erkickt. Unterstützung bekam McManus immerhin von seiner Defense. Die trug zum Erfolg vier Turnovers bei, alle von Cam Newton (2 Interceptions, 2 Lost Fumbles). Die Patriots sind nach der Niederlage zum ersten Mal seit 2002 nach 5 Spielen bei unter 0.500. Cam Newton steht bei 0-4 gegen die Denver Broncos. Dass er nun nach Michael Vick der erst zweite Quarterback der NFL-Geschichte mit mehr als 5.000 Rushing Yards ist, wird nur ein schwacher Trost sein.

Die weiteren Begegnungen:

Carolina Panthers vs. Chicago Bears (16-23)
New York Giants vs. Washington Football Team (20-19)
San Francisco 49ers vs. L.A. Rams (24-16)