Analyse NFL Spieltag 2:

„Breaking: Every Player in the NFL!“. Dieser Spruch ging am zweiten Spieltag der NFL im Netz viral. Quasi von Minute zu Minute wurde es mehr zur Wirklichkeit. DE Nick Bosa, DE Salomon Thomas (beide San Francisco 49ers), S Malik Hooker (Indianapolis Colts) und RB Saquon Barkley (New York Giants) fallen vermutlich für den Rest der Saison aus. Die vollständige Injury-List würde hier wohl den zeitlichen Rahmen sprengen. Widmen wir uns lieber den Big-Plays, die nicht zu kurz kamen: Eine Vielzahl davon gab es beim Sieg der Seattle Seahawks über die New England Patriots zu bestaunen (Daily Huddle berichtete). Oder bei den Green Bay Packers, die ihren Division-Rivalen, die Detroit Lions mit 42:21 vom Platz fegten. Das Team von QB Aaron Rodgers ist erst das achte Team in der Super Bowl Ära, dass jeweils mehr als 40 Punkte in den ersten beiden Spielen der Saison erzielen konnte. Bleiben wir in der NFC North. Die Minnesota Vikings trafen Auswärts auf die Indianapolis Colts und gingen deutlich mit 28:11 unter. Der Start war vielversprechend, Bootleg Plays von QB Kirk Cousins, der mit 3 Interceptions völlig von der Rolle war, führten zu einem stetigen Raumgewinn und endete im ersten Drive mit einem Fieldgoal. Danach übernahmen die Colts das Kommando und zogen das erfolgreich etablierte Power-Run-Game auf. Rookie Jonathan Taylor erlief einen Touchdown und über 100 Yards. Eine durchschnittliche Leistung von QB Philip Rivers reichte für eine erfolgreiche Premiere im Lucas Oil Stadium aus.

Bei den LA Rams, die gegen die Philadelphia Eagles einen 37:19 Sieg einfuhren, war ein verbessertes und flexibleres Play Design von Head Coach Sean McVay erkennbar. TE Shooting-Star Tyler Higbee trug sich mit 3 Touchdowns in die Statistik ein. QB Carson Wentz von den Eagles sorgte dagegen für zwei Interceptions. Begleitet wurden diese mit eingespielten Booo-Rufen digitaler Fans.

Der Sieg der San Francisco 49ers gegen die New York Jets war zu erwarten. Auch in dieser Höhe: 31:13. Das Team von HC Kyle Shanahan war trotz zahlreicher Ausfälle nie gefährdet. Ein Armutszeugnis für die Jets. HC Adam Gase ist schwer angeschlagen. Seinem Unmut ließ er bei einer virtuellen Pressekonferenz freien Lauf: „Ich bin angepisst. Es macht keinen Spaß da rauszugehen und den Arsch versohlt zu bekommen.“ Die Jets befinden sich voll auf Kurs für den Pick 1 im NFL Draft 2021.

Die Arizona Cardinals wurden ihrer Favoritenrolle gerecht und besiegten das Washington Football Team ungefährdet mit 30:15. Der Grundstein dafür wurde in Hälfte eins gelegt (20:0). Der agil und leichtfüßig wirkende QB Kyler Murray bot wieder eine ausgezeichnete Leistung – in der Luft (1 TD) und am Boden (2 TD). In dieser frühen Phase der Saison zählt Murray schon jetzt zum erlesenen Kreis der MVP Kandidaten.

Bei den Tampa Bay Buccaneers feierte „The G.O.A.T.“ bei seiner Heimpremiere einen ungefährdeten Sieg gegen die Carolina Panthers (31:17). Mit seinen 217 geworfenen Yards (1 TD, 1 INT) überschreitet Tom Brady die Grenze von 75.000 Passing Yards und ist damit weiterhin Drews Brees von den New Orleans Saints dicht auf den Fersen.

Die Baltimore Ravens setzen ihren Erfolgslauf gegen die Houston Texans fort. Mit dem 33:16 Sieg ist man saisonübergreifend in der Regular Saison bereits 14 Mal in Folge ungeschlagen.

Die Denver Broncos zogen gegen die Pittsburgh Steelers mit 26:21 den Kürzeren. QB Drew Lock musste aufgrund einer Schulterverletzung seinem Backup-QB, Jeff Driskel, weichen. Der machte seine Sache recht ordentlich (2 TD, 1 INT, 256 Yards). Bei den Steelers war es WR Rookie Chase Claypool, der mit einem 84 Receiving Touchdown eine kräftige Duftnote setzte. In der Defense war es einmal mehr T.J. Watt, der mit 2,5 Sacks und 2 TFL herausragte.

Bei dem Sieg der Buffalo Bills gegen die Miami Dolphins (31:28) war es die neue QB-WR-Verbindung, Josh Allen (4 TD, 417 Yards) und Stefon Diggs (1 TD, 153 Yards), die den Unterschied ausmachte.

Das Comeback in Dallas
3 Turnovers. 4 erzwungene Fumbles. Eine 20:0 und 29:10 Führung. WR Calvin Ridley und TE Hayden Hurst mit je 2 Touchdowns. Ein Blowout lag in der Luft für die Atlanta Falcons. Laut NFL Redzone lag die Chance eines Sieges der Dallas Cowboys bei nur noch zwei Prozent. Für Dak Prescott mehr als genug. Der mit einem Franchisetag versehene Quarterback der Cowboys führte sein Team beim 40:39 Sieg zu Hause im AT&T-Stadion zu einem grandiosen Comeback. 450 Passing Yards führten zu 34 Receptions und einem Touchdown. Noch beachtlicher sind die 3 Rushing-Touchdowns – trotz geschwächter O-Line und ohne Star-Left Tackle Tyron Smith. Neben reichlich Unvermögen auf der Seite der Falcons waren es die Ausfälle von DE Takk McKinley, T Kaleb McGary, S Ricardo Allen und LB Foye Oluokun, der im ersten Viertel gleich drei Fumbles erzwang, die zum unglücklichen Verlauf beitrugen. Entscheidend neben zwei Touchdowns in den letzten fünf Minuten waren ein erfolgreich gestalteter Onside-Kick sowie ein 46 Yard Winning-Fieldgoal von Kicker Greg Zürlein mit knapp 4 Sekunden auf der Uhr. Sieg Cowboys. Die Falcons verspielen eine Führung. Wieder einmal.

Vom Power Run-Game zur Passing-Offense
Mike Vrabel, Head Coach der Tennessee Titans, überraschte beim Sieg über die Jacksonville Jaguars (33:30) mit einer neuen Spielausrichtung. Die Titans haben nach 2 Spieltagen 6 Touchdowns erzielt, alle davon durch die Luft. Keiner von RB Derrick Henry. QB Ryan Tannehill tritt dabei als smarter Game-Manager in Erscheinung. Vor allem sein QB-Rating von 145.7 in Woche 2 gegen die Jacksonville Jaguars sticht dabei besonders heraus. Trotz Abwesenheit seines Nr.1 Receivers A.J. Brown konnte Tannehill 4 Bälle in die Endzone werfen. Seine verlässlichste Anspielstation war dabei Breakout-TE Jonnu Smith mit 4 von 5 gefangenen Bällen für 84 Yards und 2 Touchdowns. Hat das Run-Game in Person von Derrick Henry die Titans vergangene Saison bis ins AFC Championship Game gebracht, ist es bisher vor allem das Passspiel, das glänzt. Die Titans sind also deutlich schwerer auszurechnen als bisher. Nicht auszudenken, wie stark die Offense erst wird, wenn auch Dampfwalze Henry wieder in Form kommt.

Unverhofft kommt oft
Rookie QB Justin Herbert von den LA Chargers absolvierte gegen die Kansas City Chief sein NFL Debüt. Doch dieses war alles andere als geplant. Beim Aufwärmen verletzte sich Starting QB Tyrod Taylor an der Hüfte und so musste der an Nummer 6 gezogene QB des heurigen NFL Drafts ran. Obwohl die Vorbereitung nicht optimal war, überraschte Herbert all seine Kritiker mit einem geworfenen sowie einen erlaufenen Touchdown. Das eine oder andere ungenaue Zuspiel sei ihm aufgrund seiner Jugend verziehen. Die Defense der LA Chargers hatte Star QB Patrick Mahomes bis zum Ende des 3. Viertels guter unter Kontrolle. Doch dann drehten die Chiefs auf und schafften es gerade noch in die erste Overtime der jungen NFL Saison. Dort konnten sich die Chiefs mit einem Feet Goal mit 23:20 durchsetzen.