Für Bernhard Seikovits und Leo Misangumukini stehen spannende Wochen an. Die beiden Ausnahmetalente der Dacia Vikings reisen am Sonntag (30.01.) nach Florida, um dort am elitären International Player Pathway Program der NFL teilzunehmen. Vor dem Abflug haben die Vikings und der Österreichische American Football Bund ausgewählte Medienvertreter zum Interview mit den beiden rot-weiß-roten Hoffnungsträgern geladen.


Das 2017 installierte International Player Pathway Program (IPPP) bietet abseits des US College Footballs Spielern außerhalb der USA und Kanada die Möglichkeit, in der NFL Fuß zu fassen. In der abgelaufenen Regular Season standen mit Jakob Johnson (Deutschland/Patriots), Jordan Mailata (Australien/Eagles) und Efe Obada (U.K./Panthers) drei Spieler im offiziellen Mannschaftskader, die so den Weg in die NFL gefunden haben. Vor knapp einem Monat gab die NFL die Liste jener 11 Kandidaten bekannt, die am heurigen Programm teilnehmen dürfen. Mit Bernhard Seikovits und Leo Misangumukini stehen zum zweiten Mal in Folge zwei Österreicher unter den weltweit erlesenen Spielern. Im Vorjahr sicherte sich RB Sandro Platzgummer von den Swarco Raiders Tirol so einen Platz im Practice Squad der New York Giants.

Zweite Chance für Bernhard Seikovits
Für Seikovits ist es bereits die zweite Teilnahme am IPPP. Dass es im vergangenen Jahr nicht für einen Platz in der NFL gereicht hat, war für den 23-jährigen anfangs ernüchternd. Der gelernte Wide Receiver wurde von Verantwortlichen aufgrund seiner körperlichen Voraussetzungen als Tight End gesehen, musste dafür aber im Vorfeld an Muskelmasse zunehmen. Trotz der Absage blieb Seikovits mit den Coaches in der USA in Kontakt und bekam laufend Trainingspläne zugeschickt. Nach einem Jahr Training mit dem idealen Kampfgewicht (114 kg) auf der neuen Position fühlt er sich bereit für den nächsten Schritt.

“Natürlich bin ich stolz, erneut am Programm teilnehmen zu dürfen. Ich habe im vergangenen Jahr intensiv versucht mich zu verbessern. Dass ich jetzt eine zweite Chance bekomme, ist eine Bestätigung für die harte Arbeit. Ich konnte das letzte Jahr erstmals als reiner Tight End absolvieren. Die Best-of-5 Serie gegen die Graz Giants hat mir geholfen, wertvolle Erfahrungen auf der neuen Position zu sammeln”, betont Seikovits.

Leo Misangumukini überzeugt mit Athletik
Während Seikovits den Ablauf und die Personen beim Programm bereits kennt, betritt sein Mannschaftskollege Leo Misangumukini Neuland. Misangumukini wechselte 2017 von den Danube Dragons zu den Dacia Vikings und vollzog einen radikalen Positionswechsel vom Wide Receiver zum Defensive End.

“Als Wide Receiver war ich es gewohnt, der Stärkere am Feld zu sein. Natürlich ist das Spiel in der Defense anders, verlangt andere Techniken. Als D-Liner musst du ein harter Brocken sein und die Drecksarbeit machen. Aber mir hat sicherlich geholfen, dass ich als ehemaliger Receiver weiß, wie eine Offense funktioniert”, beschreibt Misangumukini die Umstellung.

Die Scouts der NFL hat der D-Liner jedenfalls mit seiner Athletik überzeugt. Die Werte bei den Krafttests und Sprints sowie die ideale “Size” beeindrucken. Misangumukini ist nicht nur groß, sondern auch lang. Die Flügelspannweite des ebenfalls 23-jährigen ist länger als die Körpergröße – perfekte Voraussetzungen für einen Defensive End. Seine athletischen Fähigkeiten konnte er unter anderem mit einem Defensive Touchdown im ersten Spiel der Serie gegen die Graz Giants unter Beweis stellen.

Von der Garage in die Profiliga
Die Vorbereitung auf das NFL-Abenteuer war trotz der Championship Series der AFL schwierig. Die aufgrund der Corona-Pandemie verkürzte Saison sowie die geschlossenen Sportstätten zwangen die beiden, kreative Lösungen zu suchen. Nach dem Schließen der Fitness-Center wurde anfangs eine Garage zum Gym umfunktioniert und die Donauinsel als Trainingsstätte genutzt. Dank dem Spitzensportler-Status konnten sich die beiden im aktuellen Lockdown Freitesten und hatten so die Möglichkeit, am Trainingsgelände der Vikings zu trainieren. Laut Seikovits habe man das Beste aus der aktuellen Situation gemacht.

Deutlich professioneller werden die Bedingungen in den kommenden Wochen sein. Nach der Ankunft in Florida müssen die Teilnehmer in ein einwöchiges Covid19-Protokoll. Danach absolvieren die Athleten mit Coaches aus der NFL ein knapp zehnwöchiges Training in der weltberühmten IMG Academy. Am Ende des Programms wird per Zufall eine Division der NFL ausgewählt. Die vier Teams jener Division erhalten jeweils einen zusätzlichen Platz im Practice Squad für die Teilnehmer des IPPP 2021.

Auszeichnung für den Österreichischen Football
Dass nach Sandro Platzgummer im Vorjahr heuer erneut zwei Österreicher die Chance auf einen Platz in der NFL haben, freut auch AFBÖ-Präsident Michael Eschlböck.

“Nach zwei Teilnehmern im Vorjahr hatten wir die Befürchtung, dass es zu viele Österreicher im Programm waren. Dass heuer wieder zwei von elf Teilnehmern aus Österreich dabei sind, macht uns wahnsinnig stolz. Es zeigt die Qualität im heimischen American Football und bestätigt die Bemühungen des AFBÖ und welch tolle Arbeit in den Vereinen geleistet wird. Die beiden sind ausgezeichnete Athleten und haben auf jeden Fall das Potential, in der NFL Fuß zu fassen. Die Teilnahme haben sie sich durch ihre harte Arbeit redlich verdient”, so ein sichtlich stolzer Eschlböck.

Neben Seikovits und Misangumukini hat mit Thomas Schaffer ein dritter Österreicher die Chance auf einen Platz in der amerikanischen Profiliga. Der 24-jährige Defensive End der Stanford University hat sich für den NFL-Draft im kommenden April angemeldet. Schaffer wäre der erste Österreicher, der über den Draft den Sprung in die NFL schaffen würde.