In der Regel benötigen Rookie-Wide-Receiver erfahrungsgemäß ein wenig Anlaufzeit in der NFL. Davon ist heuer nichts zu sehen. CeeDee Lamb (Dallas Cowboys, Pick 17), Jerry Jeudy (Denver Broncos, Pick 15), Justin Jefferson (Minnesota Vikings, Pick 22) & Co rocken die Liga. Die Wide Receiver Draft-Class von 2020 gilt als eine der besten ihrer Zunft. Und das wohl zu Recht.

Ein kurzer Blick nach Dallas: Mit seinen 433 erzielten Yards – die meisten davon im Slot –  liegt CeeDee Lamb nach den ersten fünf Spielen derzeit an der Spitze der All-time Leading Yards bei den Rookie WR. Hochgerechnet kommt er zum Ende der Saison auf 1.386 Yards. Damit liegt er vor Anquan Boldin (1.377 Yards), Randy Moss (1.313 Yards), Odell Beckham (1.305 Yards), Michael Clayton (1.193 Yards) oder Michael Thomas (1.137 Yards). Der 21-Jährige vereint alles, was einen Nummer-eins-Receiver in der NFL ausmacht. Auf Lamb und die Cowboys warten am kommenden Spieltag die Arizona Cardinals.

Einen neuen Shooting-Star gibt es auch bei den Pittsburgh Steelers: Chase Claypool steht aktuell zwar „nur” bei 261 erzielten Yards, das Momentum spricht aber klar für den 2nd Round-Pick der Steelers. Im letzten Spiel gegen die Philadelphia Eagles erzielte Claypool 110 Total Yards und 4 Touchdowns (1 Rushing, 3 Receiving). Der Absolvent der University of Notre Dame ist damit der erste Steelers-Rookie mit einem Rushing- und Receiving-TD im gleichen Spiel seit Hall-of-Famer Franco Harris in 1970. Am 6. Spieltag treffen die Steelers auf die Browns, die nach wie vor in der Secondary angreifbar sind.

Bei den Minnesota Vikings hat sich Justin Jefferson mittlerweile einen Namen gemacht. Trotz Startschwierigkeiten und fehlendem Vertrauen seines Quarterbacks Kirk Cousins hat sich der First-Rounder (Pick 22) mit seinen Leistungen für Höheres empfohlen. An der Seite von WR Adam Thielen blüht der 21-jährige LSU Absolvent regelrecht auf. Aktuell steht er bei 371 Yards und einem Touchdown. Besonders gegen die Tennessee Titans am 3. Spieltag sorgte Jefferson für Aufsehen: Allein in der ersten Hälfte erzielt der WR 104 Yards und brach damit den Rekord von niemand geringerem als Randy Moss aus dem Jahr 1998. Weiter geht’s am Sonntag gegen die Atlanta Falcons, die bei 0-5 stehen und bisher 161 Punkte zugelassen haben.

An erster Stelle im Draft 2020 an Position 12 auserwählt wurde Henry Ruggs III aus Alabama. Bei der starken Konkurrenz auf der WR-Position eine große Überraschung. „Speed kills” dachte sich wohl auch Jon Gruden, Head Coach bei den Las Vegas Raiders. Mit seinen 4,27 Sekunden beim 40-Yard-Dash beim NFL Scouting Combine erzielte Ruggs den Bestwert. Der Coach der Raiders folgte mit der Verpflichtung einem aktuellen Trend in der NFL. Ein Offense ohne sprintstarken Wideout? Kaum vorstellbar. Die Kansas City Chiefs mussten erst kürzlich die Fähigkeiten von Ruggs anerkennen, der beim 40:32 Sieg den Unterschied ausmachte. „Ich kenne meine Rolle in der Offense ganz genau. Die Chiefs wussten von meinen Stärken, und genau diese setze ich ein”, sagt Ruggs.

Last but not least: Jerry Jeudy, von den Denver Broncos als 15. Stelle gedraftet. Im College galt er als das „Next Big Thing” aus Alabama. Hochtalentiert, wie Julio Jones, Amari Cooper und Calvin Ridley vor ihm. Ein sehr guter, aber kein überragender Athlet. Dafür ein unglaublich detaillierter Route Runner mit einem feinen Gespür für den freien Raum. Gewinner des „Biletnikoff Awards” 2018 als bester College Wide Receiver des Landes, dank 1.315 Receiving Yards und 14 Touchdowns. 2019 Teil des dreiköpfigen WR-Monsters mit Henry Ruggs und DeVonta Smith, dem für 2021 ebenfalls ein hoher 1st-Round Pick vorhergesagt wird. Jeudys Start in der NFL (234 Yards, 1 Touchdown) war nicht herausragend, aber solide. Aber Jeudy wird überzeugen. Weil er hochtalentiert ist und weiß, dass er seinen Erfolg hart erarbeiten muss.